Auf unserem Weg einmal um die Welt sind wir nun nach 1400km in Italien angekommen.
Die Stadt La Spezia liegt an der ligurischen Küste in Italien. Hier befindet man sich im „Golf der Poeten“ und gleichzeitig in der UNESCO-Weltkulturerbe-Region der Cinque Terre. Hier ist vorallem der Wein Sciachetrà eine besondere Spezialität, die bereits bei den Römern beliebt war. Ein besonderes jährliches Event ist das älteste Jazzfestival Italiens, das internationale Jazzfestival „La Spezia“, das eine Reihe von Konzerten umfasst. Auch Italien ist ein Land, in dem YFU sowie Colored Glasses aktiv sind.

Unsere Reise geht nun weiter per Boot über das Mittelmeer.

Du warst oder bist an diesem Ort? Dann erzähle uns davon auf Instagram @coloredglasses_yfu, auf Facebook oder per Mail an yvonne.adam@coloredglasses.de.

Auf Instagram kannst du außerdem unsere Reise um die Welt weiterverfolgen. Freue dich auf viele weitere interessante Orte, die wir gemeinsam entdecken werden!

Solltest du, dein Verein, deine Klasse oder Freunde Interesse haben mitzumachen, findest du alle Informationen hier.

Als Sponsor*in können Sie uns mit einer Spende pro Kilometer unterstützen.

Wir haben bereits 1050 km geschafft!
Unser nächster Stopp ist Neustift im Stubaital und liegt am gleichnahmigen Gletsche Stubaier. Dieser ist das größte Gletscherskigebiet Österreichs und ein bekannter Wintersportort. Außerdem gibt es dort die längste Naturrodelbahn Tirols. Die Einwohner von Neustift werden auch heute noch „Die Tholer“ („Tal-Leute“) genannt. In der Nähe kann man über den „Wilde-Wasser-Weg“ zum wohl schönsten Wasserfall Österreichs, der Grawa-Wasserfall, gelangen und die Aussicht genießen. Auch in Österreich ist Colored Glasses seit Jahren erfolgreich.

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Wir haben 580 km geschafft! 👏🏽

Luxemburg gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe,und ist eine sehr vielseitige Stadt. Dieses Jahr steht sie unter dem Motto „Stronger together into2021 and beyond“. Die Menschen dort sprechen zumeist 4 Sprachen (Französisch, Luxemburgisch, Deutsch und Englisch) und ca. 50% der Bevölkerung kommt aus dem Ausland. Da luxemburgisch als bedrohte Sprache gilt, sollten wir helfen diese zu erhalten.

Hier kommt ein Crashkurs: Wéi geet et? Wie gehts?, Bitte Schön – Gär geschitt!

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Einheitspreis 2020 - Logo

Im vergangenen Herbst hat Colored Glasses einen dritten Platz beim Einheitspreis 2020 erzielt. Mit diesem Preis hat die Bundeszentrale für politische Bildung in diesem Jahr Projekte prämiert, die „in besonderem Maße dazu beitragen, gesellschaftliche Hürden zu überwinden und ein solidarischen Miteinander zu organisieren.“ Im Interview mit der Jury des Einheitspreises sprechen wir über Solidarität, die Deutsche Einheit und Zukunftspläne von Colored Glasses:

Sie wurden vom Publikum und der Jury zu einem der 30 Preistragenden des Einheitspreises 2020 gewählt. Was bedeutet Ihnen das?
Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung. Zu den 30 Preistragenden zu gehören, betont den Wert, den andere in Colored Glasses sehen. Es bestätigt uns in unserer Bildungsarbeit und darin, diese unbedingt fortzuführen und weiterzuentwickeln.

Wie haben Sie das Thema Ost-West bzw. Solidarität in Ihrem Projekt aufgegriffen? 
Das Thema Ost-West wird bei Colored Glasses nicht explizit aufgegriffen – schließlich ist das Denken in Kategorien und vordefinierten Mustern etwas, das Colored Glasses grundsätzlich aufbrechen möchte. Unser Beitrag zum weiteren Zusammenwachsen Deutschlands besteht darin, für die Einzigartigkeit einer jeden Person zu sensibilisieren, für ihre ganz individuelle Prägung, Identität und Wünsche. Im Bewusstsein für Vielfalt und im Erkennen der damit verbundenen Chancen werben wir für ein solidarisches Miteinander.

Was bedeutet das Thema „Deutsche Einheit“ bzw. Solidarität im Jahr 2020 für Sie? 
Colored Glasses ist ein Programm, das nach der Wende entstand. Die darin involvierten und engagierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind im vereinten Deutschland aufgewachsen. Aus dieser Perspektive heraus betrachten wir die „Deutsche Einheit“ als fortlaufenden Prozess, in dem Unterschiede und Konflikte nicht nur anhand der Dimension „Ost-West“ festzumachen sind, sondern auf vielen Ebenen bestehen, und in dem gegenseitiges Verständnis aufzubauen ist.
Solidarität ist einer der zentralen Europäischen Werte, die wir in unserem Programm vermitteln. Die Bedeutung der Solidarität füreinander ist durch Covid-19 noch deutlicher geworden. Colored Glasses konnte daher zwar keine Workshops mehr durchführen, hat stattdessen aber seine Bestrebungen forciert, sein Bildungsangebot zu digitalisieren. 

Wo gibt es aus Ihrer Sicht nach wie vor Probleme zwischen Ost und West und in der Gesamtgesellschaft?
Fehlender Dialog und ein mangelndes Verständnis für die Perspektiven von Mitmenschen ist in vielen Fällen die Ursache von gesamtgesellschaftlichen Problemen. Colored Glasses setzt sich dafür ein, mit Workshop-Teilnehmenden Lösungen und Handlungsstrategien zu erarbeiten und Kommunikationswerkzeuge aufzuzeigen.

Wie können Sie dazu beitragen, dem entgegen zu wirken? 
Colored Glasses Workshops zielen darauf ab, Teilnehmenden ein besseres Verständnis von Kultur, Zugehörigkeit und Identität zu vermitteln. Darüber hinaus werden interkulturelle Kommunikation und Kooperation gefördert sowie Vielfalt und Chancengleichheit.

Haben Sie schon Pläne für das Preisgeld? 
Das Preisgeld wird Colored Glasses dabei unterstützen, seine Bestrebungen für die Digitalisierung von Workshops zu realisieren und diese ortsunabhängig durchzuführen, damit alle Interessierten zu den genannten Themen weitergebildet werden können.

Du möchtest mehr über den Erfolg von Colored Glasses beim Einheitspreis 2020 erfahren? Weitere Informationen findest Du hier auf unserem Blog.

Einmal um die Welt - Around the World

(English version below)

Colored Glasses baut bereits seit 20 Jahren Brücken. Zum Jubiläum haben wir uns nun ein neues Ziel gesetzt, um die Welt und ihre Kulturen zu vereinen: Wir wollen „einmal um die Welt“ und das Ganze zusammen, unmotorisiert und in 365 Tagen. 

Das bedeutet: Egal auf welche Weise du von Colored Glasses und unserer Vision einer geeinten und toleranten Gesellschaft gehört hast – sei dabei und schenke uns deine Kilometer, um gemeinsam die 40.000 km um die Welt zu schaffen!

Die Regeln sind einfach: 

  1. Melde dich unter folgendem Link an und erhalte deine Startnummer: https://www.yfu-survey.org/cg/index.php/948332?lang=de-informal
  2. Sammle Kilometer: Es zählt jeder Kilometer, den du ohne Motor zurücklegst (d.h. zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Skateboard, auf Skiern, schwimmend, segelnd, mit dem Tretroller…). Das E-Bike ist die einzige Ausnahme und zählt zu 50%.
  3. Trage deine Kilometer, wenn möglich wöchentlich, unter dem Link ein, den du mit deiner Anmeldung erhältst (vergiss dabei deine Startnummer nicht).
  4. Erzähle Anderen von unserer Aktion – vielleicht findest du ja auch Sponsor*innen! 😉
  5. Hab ganz viel Spaß und sei gespannt auf all die Orte, die wir auf unserer Strecke entdecken werden.
  6. Verfolge unsere Reise auf Instagram @coloredglasses_yfu und auf unserer Website.
QR-Code scannen und los geht's!

Around the world in 365 days 

Colored Glasses has been building bridges for 20 years. For our anniversary we have set a new goal for ourselves in order to unite the world and its cultures: We want to travel „around the world“ – together with you, without motor power and in 365 days.

Join us and send us your kilometers to cover the distance of 40,000 km around the world!

The rules are simple:

1. Register using the following link and receive your race number: https://www.yfu-survey.org/cg/index.php/948332?lang=de-informal

2. Collect kilometers: Each kilometer that you move without motor power counts (i.e. walking by foot, riding a bike, by skateboard, skiing, swimming, sailing, by scooter and others). E-bikes are the only exception: Here, your kilometers count 50%.

3. Enter your kilometers, if possible weekly, using the link that you will receive with your registration (don’t forget your race number).

4. Tell others about our campaign – maybe you will even find sponsors! 😉

5. Have a lot of fun and look forward to seeing all the places we will discover on our route.

6. Follow our journey on instagram @coloredglasses_yfu.

All the best

Your Colored Glasses Germany Team

Scan QR Code and start now!
Logo von startsocial: "hilfe für helfer"

Zur Digitalisierung unseres Bildungsangebots wird Colored Glasses im Rahmen eines Startsocial-Stipendiums von zwei Expert*innen unterstützt.

Eine Gruppe von Ehrenamtlichen von Colored Glasses

Kaum zu glauben – Colored Glasses wird im kommenden Jahr schon 20 Jahre alt! Das möchten wir mit euch feiern und gemeinsam zurückblicken.

Hierfür suchen wir deine Colored Glasses Geschichte! 

Erzähle uns, wie du zu Colored Glasses gekommen bist, was bisher deine schönsten Momente und Begegnungen gewesen sind, welche Lernerfahrungen du gemacht hast und wo es dich heute hinverschlagen hat.

Umfang: max. 500 Wörter

Schicke deinen Beitrag + ein Foto von dir bis zum 11.12.2020 an Bianca Ottenberg (bianca.ottenberg@yfu-deutschland.de).

Keine Zeit?

Schicke uns eine kurze Nachricht und gratuliere Colored Glasses zum Jubiläum. Sag uns deinen Namen und lass uns wissen, wann und wie du für Colored Glasses aktiv warst.

Schicke deinen Beitrag + ein Foto von dir bis zum 11.12.2020 an Sara Klingebiel (sara.klingebiel@coloredglasses.de).

Bianca und Sara freuen sich auf eure Nachrichten!

Kinder im Flüchtlingslager Moria

Täglich werden wir in den Medien mit neuen Katastrophen und tragischen Ereignissen im weltweiten Geschehen konfrontiert. Eines davon ereignete sich im Landesinneren der Insel Lesbos in dem griechischen Flüchtlingslager Moria. Es war Europas größtes Flüchtlingslager und ein sogenannter Hotspot der EU. Hotspots sind Erstaufnahmezentren, in denen Geflüchtete registriert werden und von wo aus sie in andere Aufnahmeländer weitergeleitet werden.

In ehemaligen Olivenhainen entstand nach und nach ein immer größer werdendes Zeltlager. Auf dem zunehmend überfüllten Gelände herrschten jahrelang katastrophale und menschenunwürdige Verhältnisse. Seit Errichtung des Lagers gab es Konflikte zwischen den Geflüchteten und den griechischen Inselbewohner*innen, für die sich keine Lösung abzuzeichnen schien. Die Frustration wuchs auf beiden Seiten an. Die Situation verschlimmerte sich weiter, als der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Anfang März die Grenze zwischen der Türkei und Griechenland öffnete. Der dadurch ansteigende Zustrom von Geflüchteten, u.a. in das Lager Moria, sollte den Druck auf die EU-Staaten erhöhen. In dem ursprünglich für 2.800 Personen konzipierten Lager lebten in der Folge zeitweilig bis zu 20.000 Menschen (März 2020). Im Rahmen dieser Entwicklung kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Inselbewohner*innen und griechischen Polizeikräften. Anfang September wurde das Lager schließlich durch einen Großbrand nahezu völlig vernichtet und musste geräumt werden.

Für viele war Deutschland das Ziel ihrer Flucht

In diesen chaotischen und schrecklichen Zuständen lebten unter den rund 20.000 Menschen auch etwa 7.000 Kinder. Die meisten waren unter 12 Jahre alt und konnten nicht verstehen, weshalb nach der weiten und gefährlichen Flucht ein Leben in Sicherheit immer noch fern schien. Fast keines der Kinder besuchte eine Schule. Die einzige Chance auf Bildung bekamen sie in einer von anderen Geflüchteten organisierten Schule, in der sie täglich eine Stunde Englisch- oder sogar Deutsch-Unterricht erhielten. Für viele war das Ziel der langen Flucht ein Leben in Deutschland. 

Für ein paar von ihnen wird sich der Wunsch auf eine Zukunft in Deutschland erfüllen, denn die deutsche Regierung hat beschlossen, insgesamt 150 unbegleitete Minderjährige aufzunehmen. Doch Tausende andere Kinder und Erwachsene sind noch immer in der Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit auf Lesbos gefangen. Viele von ihnen leben außerhalb des alten Camps und weigern sich, in das nahegelegene neu errichtete Lager Kara Tepe zu ziehen. Sie fürchten, dass sich die Hölle von Moria dort fortsetzt. Jetzt nach dem Brand erscheint vielen die Lage noch aussichtloser als zuvor. Denn laut der griechischen Regierung erhalte nur der Nahrung und eine Chance auf einen Asylantrag, wer in das neue Camp ziehe.

Die Versorgungslage ist katastrophal 

Die WDR-Reporterin Isabel Schayani berichtet: „Die Versorgungslage ist so, dass man denkt: Das ist nicht Europa. Wir haben gesehen, dass die Leute das Abwasser trinken.“ Die Verzweiflung der Menschen in Bezug auf die europäische Politik sei groß: „Die haben die Wahrnehmung, dass sie im Gefängnis waren, jetzt wieder im Gefängnis sind und dass sie nicht gehört werden.“

Außerdem scheint die Lage immer angespannter zu werden. Die Geflüchteten haben teilweise seit Tagen nicht mehr gegessen und getrunken, es wird kaum Nahrung geliefert. Immer wieder kommt es zu Ausschreitungen, in denen die Geflüchteten für „Freiheit“ und gegen ein neues Lager demonstrieren – als Reaktion setzt die griechische Polizei Tränengas ein, das teilweise auch Kinder und Schwangere trifft. Doch nicht nur die Geflüchteten protestieren, auch die Inselbewohner*innen wehren sich. Immer wieder gibt es Straßenblockaden und wütende Bürger*innen äußern sich sowohl gegen Hilfe für die Geflüchteten als auch gegen ein weiteres Lager. Sie wollen einfach nur, dass die Leute weggehen. Zu Beginn waren viele Inselbewohner*innen noch verständnisvoll und hilfsbereit, doch auch die Zahl der Helfenden wird immer kleiner. 

Und mittendrin im Geschehen befinden sich Tausende Kinder, die nicht verstehen, wieso ausgerechnet sie dieses Elend erfahren müssen. Inzwischen sind auch sie im Überlebensmodus. Moria macht die Kinder hart und nimmt ihnen jegliche Kindheit.

Aus meiner Sicht ist es schwer nachzuvollziehen, dass es in der Politik so schwierig ist, eine internationale Lösung zu finden. Für mich ist unvorstellbar, was die Geflüchteten auf Lesbos durchmachen, und es macht mich wütend, dass so viele Menschen und vor allem auch Kinder solche traumatischen Erlebnisse hinnehmen müssen. 

Autorin: Helen Bäumer, Foto: Louisa Gouliamaki/ AFP, Datum: 18.10.2020

Seit 2017 führt Colored Glasses mit einem hierfür entwickelten Konzept auch Workshops zum Thema „Flucht und Vertreibung“ durch. Zur erneuten und tieferen Auseinandersetzung unserer ehrenamtlichen Mitarbeitenden mit dem Konzept fand vor kurzem ein Online-Seminar statt. Genaueres zu Inhalten und Ergebnissen der Veranstaltung gibt es in folgendem Bericht auf unserem Blog zu lesen: https://coloredglasses.de/online-seminar-zu-flucht-und-vertreibung

Demonstrant*innen mit "Refugees Welcome"-Schild

Flucht und Vertreibung sowie der Umgang mit geflüchteten Menschen gehören zu den Themen, die in letzter Zeit in den Hintergrund geraten sind, keinesfalls jedoch an Relevanz verloren haben. Im Gegenteil – besonders jetzt besteht die Gefahr, dass Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten nicht nur Gewalt und Hunger, sondern noch zusätzlich dem Virus ausgesetzt sind. Gleichzeitig werden in Deutschland Unterkünfte für Geflüchtete zu Hotspots der Epidemie. Mehr als genug Gründe gab es daher für uns, sich nochmal genauer mit unserem Workshopkonzept zum Thema Flucht und Vertreibung auseinanderzusetzen.

So kam es dazu, dass ein Online-Auffrischungsseminar stattfand, bei dem sich unsere Colored-Glasses-Teamenden aus ganz Deutschland mit unserem sogenannten Fluchtkonzept auseinandersetzen konnten. Gastgeberinnen des Seminars waren Saskia Boiselle und Annika Taube, zwei bereits lang aktive Ehrenamtliche, die auch an der Erstellung des Fluchtkonzeptes maßgeblich beteiligt waren.

Wie können wir Fluchterfahrungen nachvollziehen?

Gemeinsam haben wir uns dabei tiefer auf das Thema eingelassen und sind als erstes selbst gedanklich den Weg nachgegangen, den viele Menschen noch vor einer Flucht aus der Heimat gehen müssen. Dabei merkt man schnell, wie wenig wir uns mit dem auseinandersetzen, was noch vor einer Flucht passiert – wie schwer es überhaupt ist, sich auf eine so ungewisse Reise zu machen, weg von Bekannten, Freund*innen oder gar Familienmitgliedern. Aber auch, wie wichtig unter solchen Umständen das Smartphone ist, das häufig zur einzigen Verbindung nach Hause wird.

Anschließend haben wir uns nochmal bewusst gemacht, wie vielfältig die Gründe für Flucht sind: Viel liest man von Krieg, Gewalt und Verfolgung in verschiedensten Teilen der Welt. Solche politischen Fluchtgründe machen aber nur einen Teil aus. Auch ökologische (z. B. Hungersnöte, Naturkatastrophen) sowie wirtschaftliche und gesellschaftliche Gründe (Armut, Perspektivlosigkeit) spielen eine wichtige Rolle und treiben Menschen häufig zur Flucht aus ihrer Heimatregion. Neben solchen sog. Push-Faktoren haben wir auch über Pull-Faktoren gesprochen – Faktoren, die Menschen zu einer Zielregion hinziehen, beispielsweise die Erwartung einer gewaltfreien Lebensumgebung sowie soziale und wirtschaftliche Sicherheit.

Leider sehen wir nach wie vor, dass Menschen auf der Flucht in Aufnahmeländern, darunter auch Deutschland, mit Ablehnung, Ausgrenzung und Gewalt konfrontiert werden. Zwar können wir die Situationen in Krisenregionen nicht kurzfristig verbessern – durchaus können wir aber einen Beitrag zur Inklusion und gegen Diskriminierung dieser Menschen leisten, indem wir in unseren Workshops Jugendlichen die Perspektiven geflüchteter Menschen näherbringen.

Wie diskutieren wir das Thema Flucht mit Jugendlichen richtig?

Entsprechend haben uns Saskia und Annika schließlich gezeigt, wie wir schon vorhandene Colored-Glasses-Module dafür nutzen können. So haben wir praktische Hinweise gesammelt, die bei Workshops zu beachten sind, und gelernt, wie wir im Workshop als Teamende eine positive Rolle einnehmen können. Eine wertvolle Grundeinstellung haben wir dabei darin gefunden, in unseren Workshops nicht über andere zu sprechen und zu urteilen, sondern stets einen reflektierten Austausch zum Thema Flucht und Vertreibung anregen zu wollen. Dazu gehört aber auch, Workshopteilnehmenden mit Fluchterfahrungen den Raum zu lassen, sich auszudrücken, und ihnen gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, sich zurückzuziehen.

Wie wollen wir Flucht zukünftig bei Colored-Glasses-Workshops integrieren?

Das gemeinsame Beisammensitzen mit Menschen, mit denen man ganz bestimmte Interessen und Ziele teilt, fehlte in den letzten Monaten vielen von uns. Umso mehr haben wir die Möglichkeit genossen, bei diesem aufschlussreichen Kurz-Online-Seminar zum Thema Flucht dabei zu sein und gemeinsam mit anderen CGler*innen für das Erreichen unserer gemeinsamen Ziele zu arbeiten. Der Umgang mit Flucht und Vertreibung spielt hierfür eine zentrale Rolle – daher möchten wir in naher Zukunft das Fluchtkonzept auch in unser allgemeines Workshop-Konzept integrieren und dem Thema damit den Raum geben, den es benötigt.

Autor: Marius Berger