Es muss im Herbst 2009 gewesen sein. Annika schnappte sich meinen Kalender in der Pause, als ich noch eben Hausaufgaben notieren wollte, schlug eine Seite auf, nahm einen Stift, schrieb etwas mit großen Buchstaben hinein und teilte mir mit: „An diesem Wochenende hast du jetzt was vor!“ 

Einige Wochen später erlebte ich sie ganz in rot gekleidet im Seminarraum, wie sie mit einer Schaufel in der Hand herumfuchtelte und mir sowie den anderen Teilnehmenden zusammen mit Eline die Geschichte „vom kleinen roten Teufelchen mit dem kleinen roten Schäufelchen“ verkörperte. Über ein Jahr nachdem ich aus meinem Austauschschuljahr zurückgekehrt war, wühlte mich diese Schulung auf. Ich begriff, dass es keinem Auslandsaufenthalt bedarf, um zwischenmenschliche und interkulturelle Begegnungen zu erleben. Ich merkte, dass mir manche Erkenntnisse aus dem Austauschjahr bereits unbewusst den Alltag erleichterten. Nun lernte ich, wie ich diese Werkzeuge bewusst einsetzen kann, um möglichst unvoreingenommen in neue Situationen zu gehen und neue Menschen kennenzulernen. Und das wichtigste: ich wurde ausgebildet, um genau diese wertvollen Erkenntnisse an Jugendliche weiterzugeben. 

Nach nur wenigen geteamten Workshops erschlaffte mein Engagement, das Studium in Sachsen legte andere Schwerpunkte. Als ein Jahr später Birte ebenfalls nach Sachsen kam, startete bald der „Aufbau Ost“: Als Koordi-Team erst mit Max, später mit Saskia, schraubten wir allmählich die WS-Zahlen nach oben, die Zahl der ausgebildeten Teamenden stieg ebenfalls, und Colored Glasses hielt Einzug in Mitteldeutschland. 

CG-Vorstand
Lena gemeinsam mit dem Rest des Vorstandteams

Ein besonderes Ereignis war sicherlich eine Schulung mit Fortbildungsteil, welche wir in Leipzig durchführten. Da Niels und Nora, unser Unterstützerteam vor Ort, kurz vorher über Bildschirme an der Uni über die Schulung informieren ließen, meldeten sich plötzlich noch zehn weitere Teilnehmende an. Statt 12 waren nun 22 Leute anwesend, die alles über Colored Glasses erfahren wollten. Zwischendurch wurde es etwas eng in den zwei Räumen der medizinischen Fakultät, die für uns kostenlos organisiert wurden, doch ließen uns nicht davon abbringen eine bestmögliche Schulung anzubieten. 

Außerdem mag ich Workshops, ob als Teilnehmerin oder Teamerin ist zweitrangig. Bei jedem einzelnen spüre ich, wie ich noch einmal mehr für ein offenes Miteinander sensibilisiert werde und ertappe mich dabei, wie mir Situationen einfallen, in denen ich mich im Nachhinein rücksichtsvoller hätte verhalten können. So lerne ich aus jeder CG-Aktivität und habe sie im Laufe der Zeit immer mehr zu schätzen gelernt.  

Weiterhin ist es phantastisch mit Leuten zusammenzuarbeiten, welche die gleiche Begeisterung für diese Themen teilen und sich mit großer Energie für ein toleranteres Miteinander in der Gesellschaft engagieren. Colored Glasses erlaubt es auf vielfältige Weise, eigene Stärken gewinnbringend einzusetzen, sich permanent auszuprobieren und dazu zu lernen. Der größte Mehrwert wird m.E. auf gemeinsamen Treffen erzielt, wenn der persönliche Austausch die Gedanken und Ideen zum Sprudeln bringt und phantastische Projekte aus der Traufe gehoben werden, wie zum Beispiel das Curriculum. Diese dann in kleineren Teams weiterzuentwickeln, anzupassen, stets neu zu denken und umzusetzen bringt besonders viel Freude. So hat Colored Glasses in den ca. 10 Jahren in denen ich dabei bin vieles erlebt, gemacht, die Gestalt verändert und wird dies weiterhin tun. Diesen hochdynamischen Prozess mitgestalten und begleiten zu dürfen ist einfach phantastisch! 

Ein herzliches Dankeschön an Vorstandsmitglied Lena Lorenzen, die ihre Colored-Glasses-Geschichte anlässlich des 20. Jubiläums unseres Bildungsangebots geteilt hat!

„Eine vielfaltsbewusste, diskriminierungsfreie Welt, in der jede Person sich selbst kennenlernen und losgelöst von (stereotypen) Erwartungen leben kann, ist mein Traum. Dass dieser Traum Wirklichkeit wird, war nicht nur Grundlage meiner Arbeit bei Colored Glasses, sondern gestaltet auch heute als Gleichstellungsbeauftragte meinen Arbeitsalltag. Verfestigte Barrieren im Kopf und auf der Straße loszuwerden, funktioniert besser im Team. Dieses riesige Team habe ich bei Colored Glasses sehr geschätzt.  

2010 bin ich über die Landesgruppenarbeit von YFU zu CG gekommen, als die Region SH-HH (Schleswig-Holstein und Hamburg) aufgebaut werden sollte. Von 2010 bis 2012 habe ich die Landesgruppe mit koordiniert und selbst viele Workshops geplant und durchgeführt. 2013 bin ich dann in den Vorstand gewechselt, wo ich bis einschließlich 2018 das strategische Arbeiten in einem solchen Angebot kennenlernen durfte. In meinen aktiven Jahren habe ich bei CG nicht nur eine Menge über das Arbeiten im Team und über zielgruppenspezifisches Arbeiten gelernt, sondern mir hier in der Region auch ein Netzwerk aufgebaut, dass mir auch jetzt häufig noch weiterhilft.  

Die Ehrenamtlichen bei CG leisten so viel, dass dieser Umfang irgendwann nicht mehr zu meiner Lebensrealität passte. Neben kleinen Projekten versuche ich nun das Bildungsangebot weiterhin durch Spenden zu unterstützen.“

Ein herzliches Dankeschön an Eline Joosten, die ihre Colored-Glasses-Geschichte anlässlich des 20. Jubiläums unseres Bildungsangebots geteilt hat!

Finn, Workshopleiter und Colored Glasses Regionalvertreter Bayern 2005 – 2010

Colored Glasses Workshop an der Rütli-Schule

Wenn ich mich richtig erinnere, dann habe ich von Berit Jenss auf einer YFU-Tagung zum ersten Mal von Colored Glasses gehört. Berit ist eine der Mitautor*innen des ersten deutschen Schulungskonzeptes, welches passender Weise in dem Jahr geschrieben wurde, in dem ich aus dem Austauschjahr zurückgekommen bin und anfing, mich bei YFU zu engagieren. Kaum zu glauben, dass dies nunmehr 20 Jahre zurückliegt und Colored Glasses Jubiläum feiert.

Ich bin sehr dankbar dafür, während meines Studiums aktiv an Workshops in Bayern mitgewirkt und Bayern als Regionalvertreter für Colored Glasses vertreten haben zu dürfen. Die Zusammenarbeit mit den anderen Teamenden, den Schulen und Lehrkräften sowie die Arbeit mit den Schüler*innen haben mir immer sehr viel Spaß bereitet.

Gern erinnere ich mich an unzählige Aha-Erlebnisse von Teilnehmern im Klassenraum, Missverständnisse beim Brücken-Bauen, beim Mau-Mau Spielen und auch an die oft angespannte Atmosphäre bei „Just Do it“, die sich teils erst bei der Auswertung der Simulation wieder löste. Ebenso erinnere ich mich noch sehr gern an die Tagungen mit dem Colored Glasses Leitungsteam und den Vertreter*innen aus den anderen Regionen.

Wenn ich jedoch ein Erlebnis auswählen soll, dann war dies ein Workshop mit Lehrkräften an der Rütli-Schule in Berlin im Schuljahr 2006/ 2007. Im März des gleichen Jahres erlangte die Schule bundesweite Aufmerksamkeit aufgrund zunehmender Gewalt und Hilflosigkeit von Lehrkräften, was die damalige Rektorin dazu veranlasste, einen „Hilferuf“ an den Berliner Senat zu richten.

Die Geschichte und die Hintergründe wurden damals auch bei Colored Glasses diskutiert und es kam die Idee auf, unser Konzept dort mit den Lehrkräften zu teilen. Zu der Zeit wurden die Workshops noch fast ausschließlich an Gymnasien angeboten, es wurde aber schon länger angestrebt, auch andere Schulen gezielt anzusprechen.

Dank der Kooperationsbereitschaft der Rütli-Schule und der Vermittlung von YFU wurden wir dazu eingeladen, einen Workshop mit den Lehrkräften durchzuführen, was für uns als Teamende sowohl spannend wie auch herausfordernd und für mich persönlich eine große Lernerfahrung war. Unser Konzept wurde damals von den Lehrkräften positiv aufgenommen, es gab jedoch auch viel Skepsis, ob dies auch mit weniger motivierten oder weniger leistungsstarken Schulklassen funktionieren würde, gefolgt von sehr viel konstruktivem Feedback und Verbesserungsvorschlägen, welches wir an YFU und das Colored Glasses Leitungsteam weitergeben konnten.

Auch wenn zumindest damals keine weiteren Workshops an der Rütli-Schule gebucht wurden, so hoffe und glaube ich jedoch, dass es ein wichtiger Schritt war, um Colored Glasses noch besser und vielseitiger zu machen.

Umso mehr freue ich mich, dass Colored Glasses nun seinen 20. Geburtstag feiert und über die Jahre gezielt auch andere Schulformen angesprochen und sich fortlaufend weiterentwickelt hat.

Ein großer Dank an alle, die Colored Glasses zu dem gemacht haben (und machen), was es ist. Und ein großer Dank ans Organisationsteam, für das Sammeln von unseren Geschichten.

Ich bin stolz darauf, ein Teil von Colored Glasses zu sein.

Finn
Workshopleiter und Colored Glasses Regionalvertreter Bayern 2005 – 2010


Ein herzliches Dankeschön an Finn, der seine Colored-Glasses-Geschichte anlässlich des 20. Jubiläums unseres Bildungsangebots geteilt hat!

Sara Klingebiel - Colored Glasses Vorstandsmitglied

Menschen weltweit mit einer Vision

„Mein Austauschjahr 2005/06 in Alaska war für mich eine wundervolle und sehr positiv prägende Erfahrung. Die Vision international zusammenzuleben, zu wachsen, zu lernen und zu teilen hat mich seither begeistert. 

Zu Colored Glasses bin ich 2014 durch mein Praktikum bei YFU Chile gekommen. Dort wurde ich angesprochen, ob ich den Ehrenamtlichen vor Ort nicht das Konzept von Colored Glasses näherbringen könnte – und so kam es. Seitdem habe ich es immer im Besonderen genossen in internationalen Settings Colored Glasses Teamer*innen und Trainer*innen auszubilden. So durfte ich später in Bulgarien, Deutschland, Tschechien, Spanien und Italien Schulungen anbieten. Ich behalte die vielen schönen AHA-Momente in meinem Herzen.

Mich begeistert, wie die Themen von Colored Glasses international eine hohe Relevanz haben und Menschen motivieren, sich aktiv für ihre Gesellschaft einzusetzen. 

Ich bin dankbar, seit 2015 im Vorstandsteam von Colored Glasses aktiv mitwirken zu können, und wünsche dem Bildungsangebot für die kommenden 10 Jahre alles Gute.“

Sara Klingebiel - Colored Glasses Vorstandsmitglied

Sara Klingebiel ist seit 2015 im Colored Glasses Vorstand und hat das Bildungsangebot 5 Jahre hauptamtlich begleitet. Heute arbeitet sie als Respekt-Coachin an einer Oberschule in Chemnitz.

Ein herzliches Dankeschön an Sara Klingebiel, die ihre Colored-Glasses-Geschichte anlässlich des 20. Jubiläums unseres Bildungsangebots geteilt hat!

Wo bist du?

Ein Ehrenamt bietet so viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln, auch über das Kennenlernen von (in diesem Fall) direkt Marketing-bezogenen Aspekten hinaus.

Colored Glasses ist ein kleines eigenständig agierendes Programm innerhalb von YFU mit politischer Außenwirkung und fest in den Bildungszielen des Vereins verankerten Aufgaben. Das Team von Colored Glasses lebt das Motto „aktiv Toleranz lernen“. Dies gilt nicht nur für die Workshops, die wir durchführen, sondern auch und insbesondere für unser wertschätzenden Miteinander. Es gibt immer ein offenes Ohr oder Feedback, wenn man es braucht.Erfolge von Colored Glasses sind schnell sichtbar (auch für den Verein und die Geschäftsstelle) und wir feiern uns gegenseitig. Dieses Ehrenamt lädt dazu ein mutig voranzugehen und zugleich zu lernen sich selber Grenzen zu setzen, Hilfe anzunehmen und Colored Glasses auf allen Ebenen mitzugestalten.

Der Posten ist nicht neu, sondern dich erwartet eine persönliche Übergabe und Vorstellung unseres super Teams, inklusive Ansprechpartnerin bei Bedarf für die ersten Monate 🙂 Idealer Beginn: Sobald es für dich passt! Anfang Juli oder Mitte August.

Für die Stellenausschreibung scrolle weiter runter!

Interesse? Fragen dazu? Melde dich direkt bei svenja.ohlen@coloredglasses.de

Stellenbeschreibung:

  • Ortsunabhängig – als Sofavoluteer*in agierst du, von wo aus du möchtest 🙂
  • Marketingstrategie im Blick haben und dazu beitragen, dass der Maßnahmenplan verwirklicht wird
  • Abstimmung mit der Gesamtstrategie im Vorstandsteam
  • Koordination des Marketingteams, d.h. den zuständigen TeammitgliedernfürBlog, Social Media, Newsletter, technische Unterstützung Internetseite, Design, Spreadshirt
  • Absprachen mit der Marketingabteilung der YFU Geschäftsstelle (z.B. bei Rückfragen für Design)
  • Einhalten des Corporate Designs von YFU mit den Freiheiten und Anpassungen der Colored Glasses Welt

Fixe Termine:

  • Monatlicher Video-Call mit dem Colored Glasses Vorstandsteam zum gegenseitigen Update und Klären von Fragen
  • Strategietreffen mit dem Vorstandsteam ein Wochenende im Sommer
  • (nach Möglichkeit) Weiterbildungstreffen mit dem erweiterten Team (Vorstandsteam und Koordinator*innen) ein Wochenende im Januar

Möglichkeiten:

  • Erfahrungen sammeln, Kompetenzen weiterentwickeln, eigene Ideen einbringen und verwirklichen können – bei CG ist alles möglich! Du kannst so viele oder so wenige eigene Projekte vorantreiben, wie es für dich passt.
  • Empowerment (er-)leben: Du übernimmst Verantwortung im Rahmen deiner Möglichkeiten – und kannst Aufgaben weitergeben, andere Menschen begeistern Neues auszuprobieren.
  • Entspanntes Planen: Die Deadlines sind selber gesetzt in Absprache mit allen weiteren beteiligten Personen

Hier bist du richtig, wenn du…

  • findest, dass wir noch mehr für Toleranz und Vielfaltsliebe in unserer Gesellschaft tun können
  • aktiv dazu beitragen möchtest, Rassismus und jeder Form der Diskriminierung vorzubeugen
  • richtig Lust hast auf Netzwerk und wertschätzende Arbeit im Team
  • dich ausprobieren möchtest, was Branding und Marketing eigentlich alles kann und beinhaltet

Wir wünschen uns von dir, dass du…

  • dich mit Marketing beschäftigst / beschäftigt hast – z.B. durch Ausbildung oder Studium
  • zuverlässig deine Absprachen einhältst und Schwierigkeiten etc. mit dem Vorstandsteam kommunizierst- du bist nicht alleine! Zusammen werden immer Lösungen gefunden.
  • proaktiv Aufgaben erkennst und ansprichst (heißt nicht selber zu machen – aber im Team zu schauen, was getan werden kann)

Interesse? Fragen dazu? Melde dich direkt bei svenja.ohlen@coloredglasses.de

P.S. Koordination ist nicht deins, dich interessieren aber einzelne Aufgabenbereiche im Marketing? Sei es kleine Projekte oder Übernahme von Verantwortung für einen längeren Zeitraum: Es gibt immer wieder Möglichkeiten. Melde dich bei vorstand@coloredglasses.de oder über Instagram!

MITWIRKEN CROWDFUNDING CONTEST 2021

Colored Glasses benötigt Deine Stimme und Unterstützung: Gemeinsam Großes bewegen – noch bis zum 19. Mai!

Am 21. April 2021 ist der Startschuss zum Crowdfunding-Contest von MITWIRKEN gefallen, an dem in diesem Jahr auch Colored Glasses teilnehmen darf.

Seitdem ist einiges passiert und wir haben bereits einen ersten großen Erfolg feiern können: Gemeinsam haben wir unser Fundingziel von 10.000 € erreicht! Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Personen, die Colored Glasses im Rahmen des Wettbewerbs bislang unterstützt und das Erreichen dieses Ziels ermöglicht haben.

In einem zweiten Schritt zählt nun vor allem die Anzahl unserer Unterstützer*innen – denn die 20 Projekte mit der größten Crowd erhalten ein zusätzliches Preisgeld der Hertie-Stiftung. Bis zum 19. Mai haben wir die Chance, je nach Platzierung ein Preisgeld zwischen 5.000 € und 25.000 € zu gewinnen: Beträge, mit denen Colored Glasses sehr viel bewirken kann.

Wir würden uns freuen, wenn Du Colored Glasses auf startnext.com/coloredglasses Deine Stimme gibst und die Aktion mit einem Mindestbeitrag von 5 € oder mehr unterstützt. Bitte teile die Kampagne auch mit Deiner Familie und Deinen Freunden über Facebook, Instagram, WhatsApp oder per Mail. Jede Stimme zählt und bringt Colored Glasses dem Ziel näher!

Deine Familie und Freunde kennen Colored Glasses noch nicht? Teile doch gerne unser Pitch-Video mit ihnen – dort stellen wir unser Projekt vor:

Mehr Informationen zum Crowdfunding-Contest von MITWIRKEN findest Du hier.

Abschlussbericht für unser startsocial-Stipendium

Ein halbes Jahr ist es nun her, dass wir die Zusage zu dem Stipendium von startsocial erhielten, das uns bei der Weiterentwicklung von Colored Glasses unterstützen würde. Zu dem Zeitpunkt war uns noch gar nicht klar, was alles auf uns zukommen würde. Sechs Monate später haben wir nun einen Bericht eingereicht, der es in sich hat: Auf 10 Seiten beschreiben wir komprimiert, was in den ereignisreichen vergangenen vier Monaten seit Beginn der startsocial-Beratungsphase im November alles passiert ist:

Volle Kraft voraus in Sachen Digitalisierung!

Eine Digitalisierungsstrategie, die wir erarbeitet haben, gibt nun einen Rahmen vor, welche digitalen Maßnahmen wir zukünftig wie umsetzen wollen. Das umfasst nicht nur unser Online-Bildungsangebot und dessen Inhalte, sondern auch interne Strukturen und Prozesse, welche uns die Arbeit erleichtern sollen. Dies betrifft z.B. die Kommunikation nach innen und außen, unsere Organisation oder das Wissensmanagement.

In der Konzeptwerkstatt wurden Leitfäden zur Umsetzung von Online-Schulungen für neue Teamende und Online-Workshops entwickelt. Die ersten Online-Workshops haben schon mit Schulklassen stattgefunden und eine sehr positive Resonanz erfahren. Seit neustem verfügen wir nun außerdem über eigene Lernvideos, die der Weiterbildung unserer ehrenamtlichen Teamenden dienen. Manche werden schon in der gerade laufenden Online-Schulung eingesetzt, andere Lernvideos befinden sich aktuell in der Fertigstellung. Außerdem ist ein Arbeitsplan zur umfangreichen Aktualisierung des Workshop-Konzepts aufgestellt, der in den kommenden Wochen weiter mit Inhalt gefüllt werden will. Dieses Vorhaben wird uns noch eine Weile begleiten.

Abschlussbericht für unser startsocial-Stipendium
Der startsocial-Abschlussbericht: Das Ergebnis vier ereignisreicher Monate!

Meilensteine in Finanzen, Fundraising und Kommunikation

Doch das war noch nicht alles – auch im Bereich der Finanzen und des Fundraisings gab es große Fortschritte. Wir haben an insgesamt 15 kostenlosen Weiterbildungen zu diesen Themen teilgenommen, die natürlich alle online stattfanden. Die Erkenntnisse flossen direkt in die Erarbeitung des Finanzplans und der Fundraisingstrategie ein. Letztere verfolgt die Vision, weitere finanzielle Quellen zu erschließen, die die Werte unserer Bildungsarbeit widerspiegeln. Die Fundraisingstrategie soll uns finanziell unabhängig machen und damit die ehrenamtliche Arbeit ermöglichen. Dafür wollen wir unser Programm sichtbar und attraktiv gestalten durch passende Spendenaktionen, gezielte Kommunikation und langfristige Partnerschaften.

Das geht nur mit der nötigen Power und Expertise zur Pflege unserer Social-Media-Kanäle. Wir sind unglaublich froh über den personellen Zuwachs in diesem Bereich, der mit seiner Kreativität das Team wunderbar ergänzt. Ein Kommunikationsplan legt die zielgruppenspezifische Ansprache für die digitalen Kommunikationskanäle fest, wodurch die Beiträge eines ganzen Jahres geplant werden können. Die passenden Programme zur Visualisierung und zum zeitversetzten Erscheinen der Posts unterstützen das Marketing-Team.

Ein riesiges Dankeschön an unsere Coaches!

Ohne den unermüdlichen Einsatz unserer Coaches Armand und Lukas hätten wir niemals einen solchen Schub nach vorn bekommen. Wir haben gelernt strategischer zu denken, Prozesse zu hinterfragen und zu vereinfachen. Unsere Coaches haben mit uns für jedes Ziel und jeden Meilenstein gekämpft, uns immer wieder auf die Bahn gelenkt, wenn wir in der Digitalisierung herumirrten, und die unangenehmen Fragen gestellt, auf die wir die wichtigen Antworten finden mussten. 

CG-Vorstandsmitglied Lena im Meeting mit unseren Coaches Armand und Lukas

Es sind Schweißperlen bei der Suche nach den perfekten Formulierungen gekullert und die finale Durchsicht der Dokumente haben sie als Duell der Fehlerfüchse verstanden. Wir sind unendlich dankbar für die Erkenntnisse, die wir aus der Zusammenarbeit mitnehmen durften und die uns noch einige Jahre tragen werden. VIELEN VIELEN DANK!! Sobald es die Umstände erlauben, möchten wir uns auch persönlich bei euch bedanken.

Und wie geht es weiter?

Das war es jetzt? Noch nicht ganz. Mehrere Juror*innen studieren jetzt unseren Abschlussbericht. Sie werden ihn nach Kriterien bewerten und ganz besonders unsere Weiterentwicklung während der Beratungsphase unter die Lupe nehmen. Die 25 überzeugendsten Projekte der 100 startsocial-Stipendiat*innen schaffen es in die Bundesauswahl, aus denen sieben zu den Preisträger*innen gekürt und mit je 5.000 € für ihre Bemühungen belohnt werden. Es bleibt spannend!

Dorothea Schmidt
Dorothea Schmidt

Meine erste Begegnung mit Colored Glasses hatte ich 2006.  

Ich war durch den Austausch meiner Kinder gerade erst wieder zu YFU zurückgekehrt und ungefähr zur gleichen Zeit durch glückliche Umstände in einem Projekt gelandet, das im Februar 2006 in Bonn eine Tagung durchführte – mit dem schönen Titel „Schüleraustausch: Auslaufmodell oder wichtiger denn je?“ Bei der Tagung kamen Lehrkräfte aus ganz Deutschland zusammen, der AJA (Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch, Anm. d. Red.) war beteiligt, damals vertreten durch Rita Stegen, und Julika Bake war gekommen, um Colored Glasses vorzustellen.  Rückblickend war das für mich also auch eine frühe und sehr schöne Begegnung mit zukünftigen YFU-Vorstandsmitgliedern.   

Ich kann mich gut erinnern, wie tief mich damals Julikas Präsentation beeindruckt hat. Seitdem ist Colored Glasses für mich ein wichtiger Teil der YFU-Arbeit.  

Eine indirekte Folge der genannten Tagung war dann meine Beteiligung an dem Projekt IKUS – Interkulturelles Lernfeld Schule – von 2009 bis 2011, in dem ich viele wichtige Erfahrungen an einer Kölner Hauptschule mit ca. 80 % Kindern aus Einwandererfamilien sammeln konnte. Ganz wesentlich war dabei die Chance, Colored-Glasses-Workshops in einer Hauptschule erproben zu können. Es gab damals erst wenige Erfahrungen dazu. Daher durfte ich an Jahrestreffen und Fortbildungen bei Colored Glasses teilnehmen und konnte miterleben – aus der Ferne, denn ich war bei den Workshops nicht dabei –, wie die Konzepte an die Bedürfnisse und Möglichkeiten dieser Schüler*innengruppe angepasst wurden. Ich erinnere mich sehr gern an die produktive Zusammenarbeit.   

In meinem Bericht für IKUS heißt es zu den Workshops an „meiner“ Schule: 

„Es ist hervorzuheben, dass die Durchführung der Workshops an sich schon den Charakter einer „interkulturellen“ Begegnung hatte. Ein Team, bestehend aus jungen Leuten mit hohen Bildungsabschlüssen und großem ehrenamtlichen Engagement, traf auf Hauptschüler aus einem schwierigen sozialen Umfeld. In ersten Gesprächen nach der Beendigung der Workshops wurde deutlich, dass allein die Begegnung  bestehende Stereotype und Vorurteile auf beiden Seiten infrage stellte.“ 

Weniger nüchtern war die Rückmeldung einer beteiligten Lehrerin: „Unsere Schüler*innen konnten nicht fassen, dass Abiturient*innen(!) so intensiv an ihnen interessiert waren, und dabei so nett, also ganz normal, waren.“ Bei den Teamer*innen wurden auf ganz ähnliche Weise Vorurteile zurecht gerückt.  

Seither habe ich die weitere Entwicklung bei Colored Glasses eher aus der Ferne, aber mit großem Interesse verfolgt. Ich bin immer noch sehr beeindruckt und hoffe, dass die nächsten 20 Jahre auch so gut verlaufen werden. 

Ganz herzliche Glückwünsche, 
Dorothea 

Dorothea Schmidt 
Austauschjahr 1967/68, Ohio, USA 
Zurzeit hinzugewähltes Mitglied im YFU-Vereinsrat

Ein herzliches Dankeschön an Dorothea Schmidt, die ihre Colored-Glasses-Geschichte anlässlich des 20. Jubiläums unseres Bildungsangebots geteilt hat!

Lima Sayed
Lima Sayed

Lima Sayed verbrachte 1996/97 mit Youth For Understanding (YFU) ein Austauschjahr in Michigan. Heute engagiert sie sich beim YFU-Bildungsangebot Colored Glasses und trainiert dort Teamer*innen. Lima arbeitet an der Universität Hamburg im Career Center und gibt freiberuflich Workshops zu Critical Whiteness. Was das bedeutet? Das und mehr erzählt sie im Interview:

Liebe Lima, in deiner freiberuflichen Arbeit und deinem aktivistischen Engagement beschäftigst du dich insbesondere mit Critical Whiteness. Was müssen wir uns unter diesem Begriff vorstellen? 
Critical Whiteness eröffnet uns allen eine Perspektive, um differenzierter auf Machtstrukturen und Diskriminierungsformen wie Rassismus zu schauen. Rassismus ist eben nicht nur eine Ausnahmeerscheinung, die von extremistischen Gruppen ausgeübt wird oder sich auf Vorurteile und Beleidigungen beschränkt. Diese Vorstellungen von Rassismus herrschten die längste Zeit vor. Dabei spiegelten sie vornehmlich die Erlebniswelt von weißen Menschen wieder – Menschen also, die selbst nicht von (systemischem) Rassismus betroffen waren oder sind.

Wir erleben seit einiger Zeit eine ungekannte Aufmerksamkeit auf Rassismen in allen möglichen Bereichen der Gesellschaft. Es ist, als wurde ein Schleier gelüftet. Dabei ist es nicht so, dass vorher kein Rassismus vorhanden war. Er war aus der Perspektive und Erlebniswelt weißer Menschen eben nicht zu sehen oder zu verstehen. Die kritische Weißseinsforschung hat ermöglicht, Rassismus in seiner Tragweite zu verstehen und die Beschränktheit der Perspektive weißer Menschen zu überwinden. Um eine Metapher zu verwenden: Wir alle haben unsere Eindrücke und Vorstellung vom Mond. Wie der Mond wirklich beschaffen ist, erfahren wir aber besser von Menschen, die selbst dort waren.

Warum ist es so wichtig, dass sich Menschen mit diesem Konzept auseinandersetzen? 
Ich denke, wir leben in einer Zeit, in der sich unheimlich viel unheimlich schnell verändert. Wir verstehen Deutschland heutzutage als ein Einwanderungsland. Heute würden sich auch nicht mehr so viele Menschen auf den Schlips getreten fühlen bei der Aussage „Der Islam gehört zu Deutschland“. Ich denke, durch die Konzepte der kritischen Weißseinforschung kann der eigene reduzierte Blick, die eigene Erlebniswelt ausgeweitet werden. Unser Verständnis voneinander wird umfassender.

Wenn du die Teilnehmer*innen deiner Workshops und Angebote vor Augen hast: Wie viele Kompetenzen bringen die Menschen heutzutage auf diesem Feld schon mit? Hat sich da über die letzten Jahre etwas verbessert? 
Das ist schwer zu sagen. Als ich vor über 10 Jahren mit meiner Forschung zu Rassismus und Weißsein im US-Film begann, habe ich mich sehr schwer damit getan, ob ich den Begriff „Rasse“/Rasse (als „biologisches“ und soziales Konstrukt) überhaupt verwenden könne. Und auch von weißen Menschen zu sprechen war damals sehr schwierig, weil ich den Eindruck hatte, dass es in der deutschen Mehrheitsgesellschaft kein Bewusstsein über das eigene Weißsein gibt. Ich finde es ganz erstaunlich, wie selbstverständlich das heute schon für viele Menschen ist, insbesondere wie reflektiert Jugendliche heutzutage sind. Und was die Menschen in meinen Workshops betrifft, so habe ich das Glück, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die sich ja bewusst mit diesen Themen beschäftigen wollen und eine große Offenheit mitbringen.

Lima mit dem ersten Exemplar ihres Buches "Weisse Helden im Film".
Lima mit dem ersten Exemplar ihres Buches „Weisse Helden im Film“.

Die Auseinandersetzung mit Rassismus und Diskriminierung spielen auch in der YFU-Strategie 2025 eine Rolle. Unter anderem soll in den Konzepten und Strukturen eine klare antirassistische und antidiskriminierende Haltung umgesetzt werden. Was wären aus deiner (Expertinnen‑)Perspektive die nötigen Schritte, damit wir darin erfolgreich(er) werden?
Bei YFU erlebe ich eine sehr lebendige und offene Gesprächskultur und die Bereitschaft sich immer wieder auch mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen. Ich denke, das ist ganz wesentlich für die Beschäftigung mit (Anti-)Rassismus und (Anti-)Diskriminierung. Wichtiger als irgendwelche (politischen) Schritte empfinde ich die Haltung, die bei YFU gelebt wird. Und mit dieser Haltung wird der Verein sicherlich auch in Zukunft sensibel und verständig auf die Herausforderungen bezüglich dieser Themen eingehen. Ich denke, das stetige Lernen – über uns selbst und über einander, vor allem aber miteinander –  ist dabei der Schlüssel.

Du engagierst dich auch ehrenamtlich bei Colored Glasses. Was treibt dich dabei an?
Mich treiben die Werte an, die bei Colored Glasses und auch bei YFU gelebt werden. Tatsächlich war mein eigenes Austauscherlebnis ganz wesentlich für meinen Werdegang und die Beschäftigung mit Rassismus und Critical Whiteness. Nicht nur, dass ich in der Amerikanistik promoviert habe (mein Austauschjahr war 1996/ 97 in Michigan). In meinen Workshops berichte ich häufig davon, dass ich das erste Mal in meinem Leben durch mein Austauschjahr mit YFU eine intellektuelle Rahmung für die Phänomene erhalten habe, die mein eigenes Leben als Deutsche mit afghanischen Wurzeln ausgemacht haben.

Zum Schluss bitte eine Runde Orakeln: Wie stellst du dir die Gesellschaft in 15 Jahren vor – wird sie merklich reflektierter mit dem Thema Rassismus umgehen?
Ich glaube wir sind auf einem guten Weg. Ich denke, was heute noch unter dem Buzzword Diversity als sehr exotisch oder besonders gilt, ist vielerorts in Deutschland schon längst gelebte Realität. Ich wünsche mir im Diskurs um Rassismus vor allem, dass wir in einen empathischen und respektvollen Austausch miteinander gehen. Und ich glaube, sehr vielen Menschen ist daran gelegen.

Einmal um die Welt - Logo

Nach nur zwei Monaten haben wir zusammen bereits 1/4 unseres Weges um die Welt geschafft!

Im Januar 2021 fiel der Startschuss für unsere Aktion „Einmal um die Welt“ – seitdem haben sich bereits 135 Teilnehmende dafür registriert, Teil unserer gemeinsamen, 40.000 km langen Reise zu sein und dafür ihre unmotorisiert zurückgelegten Kilometer zu spenden.

In großen Schritten sind wir von Hamburg aus Richtung Süden gestartet und durchstreifen gerade den afrikanischen Kontinent. Derzeit stoppen wir in Sambia und sind auf dem Weg nach Simbabwe.

Unser Ziel ist es, durch die gespendeten Kilometer die Welt zu umrunden und dadurch die Vielfalt auf unserem Planeten und unser 20-jähriges Jubiläum zu feiern. Hinterlasse auch Du mit uns einen Fußabdruck für die Förderung einer aktiven und toleranteren Zivilgesellschaft.

Mit „Einmal um die Welt“ verbinden wir jedoch nicht nur unsere Jubiläums-Aktion, sondern auch eine unserer langjährigen Workshopsimulationen. Mit dieser Simulation wollen wir den Jugendlichen die Themen Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung näher bringen. Das Besondere ist, dass dieser Workshop für all unsere Zielgruppen angewendet und seit diesem Jahr sogar auch online durchgeführt werden kann. Denn dieses Jahr geht es nicht nur um die Welt, sondern auch digital in die Klassenzimmer.

Unsere Reise kann auf Facebook und Instagram verfolgt werden und unter diesem Link kannst Du Dich anmelden.

Weitere Informationen zu unserer Aktion gibt es hier.