Meinungen auf Instagram, was Toleranz bedeutet

Toleranz ist eine Notwendigkeit, damit Menschen mit unterschiedlichen Werten, Lebensvorstellungen oder Glaubensüberzeugungen überhaupt zusammenleben können. Ohne Toleranz ist Demokratie (Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, Würde) nicht möglich. Toleranz wird häufig als Duldsamkeit, als ein Gelten- und Gewähren-Lassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten verstanden. Diesem Gelten-Lassen geht jedoch ein Abwägungsprozess voraus, der uns herausfordert. Denn Toleranz bedeutet, Meinungen und Verhaltensweisen anderer anzuerkennen, die man selbst eigentlich für falsch hält und ablehnt. Die Überzeugungen oder das Verhalten der anderen werden also auf die gleiche Stufe gestellt wie die eigenen. Bloße Duldung kann immer nur der erste Schritt sein. Es muss deshalb für verschiedene Bereiche des privaten und gesellschaftlichen Zusammenlebens immer wieder aufs Neue eine Balance zwischen Ablehnung und Akzeptanz gesucht und gefunden werden.

  • Im persönlichen Bereich ist Toleranz eine individuelle Haltung, die sich im respektvollen Umgang mit anderen Menschen zeigt.
  • Auf Gruppen bezogen ist Toleranz eine soziale Praxis, die das friedliche und konstruktive Zusammenleben in pluralistischen Gesellschaften ermöglicht.
  • Schließlich ist Toleranz – auf die Gesellschaft bezogen – ein ethisch-politischer Grundwert, ein Maßstab zur Beurteilung menschlichen Verhaltens.

Im Kern geht es bei Toleranz um den Umgang mit Unterschieden und Vielfalt. Nichtbeachtung und Gleichgültigkeit haben mit Toleranz nichts zu tun. Hierbei handelt es sich um Ignoranz. Toleranz umfasst die Auseinandersetzung mit anderen, das Entdecken von Gemeinsamkeiten in der Unterschiedlichkeit und das bewusste Wahrnehmen der Differenz. Dies erfordert Neugier, Interesse und Dialogbereitschaft. Dabei ist es auch wichtig, die Grenzen der Toleranz zu kennen. Diese sind bei Diskriminierung und Gewalt, also bei Intoleranz, erreicht: keine Toleranz der Intoleranz. (Vgl. Zeitschrift für die Praxis der politischen Bildung, HEFT 1 – 2016, 1. QUARTAL, 42. JAHRGANG)

In unseren Toleranzworkshops geht es genau darum, den Mensch und seine Vielfalt sichtbar zu machen und diskriminierende Strukturen aufzudecken. Indem auf eigene Erfahrungen Bezug genommen wird, steigt die Relevanz bei unseren Teilnehmer*innen und die eigene Haltung kann überprüft werden.

Auch in unserer ehrenamtlichen Arbeit ist es wichtig, sich immer wieder selbst zu hinterfragen und sich mit Begrifflichkeiten, aber auch mit den eigenen Haltungen/ Einstellungen auseinander zu setzen. Während unserer Instagram Themenwoche: Toleranz (erste Juli Woche 2020) wurde viel diskutiert. Hier ist eine kleine Zusammenfassung in Bildern:

Im Rahmen unseres Toleranzbotschafter*innen Projekt in Chemnitz sind drei Konzepte für Online Workshops entstanden, die wir in nächster Zeit testen werden. Seit Corona beschäftigt es uns sehr, wie wir so schnell wie möglich weiter junge Menschen erreichen können, auch ohne, dass wir persönlich präsent sind. Nicht nur, dass wir damit natürlich auf die notwendigen Hygienekonzepte von Schulen und die Sicherheit unserer Ehrenamtlichen eingehen: Online Workshops sind eine riesige Chance für Colored Glasses, um 1. auch endlegende Gegenden zu erreichen und 2. zukünftig kleinere Gruppen oder Einzelpersonen die Teilnahme an regional übergreifenden Workshops zu ermöglichen.

Am Wochenende vom 19.06. bis 21.06. haben sich dafür Trainer*innen von Colored Glasses sowie Kulturcampus getroffen und Konzepte für Online-Workshops für „Demokratie Leben Chemnitz“ erstellt. Diese Workshops sollen in Zukunft für Schulen verfügbar sein und über eine Online-Plattform gehalten werden. 

Das Hauptaugenmerkt lag dabei auf Konzepten im online Kontext. Unsere Simulationen wurden so angeglichen und verändert, dass sie im online funktionieren und den Teilnehmer*innen auch auf diese, für Colored Glasses neue Art und Weise, interaktive Workshops bieten. Neue Themen wurden generiert und mit bereits bestehenden Elementen verbunden. Folgende Konzepte stehen ab sofort zum Testen bereit:

  1. Online Diskriminierung
  2. Arten der Diskriminierung und 
  3. Gewaltfreie Online- Kommunikation

Ideen für eine neu Auflage verschiedener Simulationen ist ebenfalls bereits in Planung. 

Die Brillenparabel beschreibt eines der pädagogischen Modelle, das COLORED GLASSES (kurz: CG), ein Bildungsprogramm des gemeinnützigen Vereins „YFU – Youth For Understanding“, in seinen Workshops zur Stärkung von Toleranz anwendet. Sophie Eckhardt, Studentin an der Universität Göttingen und ehrenamtliche Koordinatorin von CG, erläutert das Modell, dessen Aussage und Name für das Programm zentral sind. Sie selbst leitet nur noch vereinzelt Workshops. Als Koordinatorin ist sie für die Absprachen zwischen Interessierten und passenden Teamer*innen in Niedersachsen und Bremen zuständig. 

Angenommen Rot und Blau stellen zwei prägende Ereignisse im Leben einer Teilnehmer*in dar und er*sie malt diese in die eigene Brille, „so vermischen sich die Farbflecke in irgendeiner Weise und es entsteht Lila!“, erklärt Sophie Eckhardt. Mit positiver Energie berichtet sie, was für unterschiedliche Gruppen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft an den Workshops teilnehmen. Nachdem sie selbst als Teamerin verschiedene Workshops geleitet hat, ist sie nun auf Landesebene für den Verein tätig. Gruppen vermitteln, Workshops organisieren und an Teambesprechungen teilnehmen sind neben ihrem sozial ausgerichteten Studium ihre Aufgaben. Und das mit vollem Erfolg – für 2020 sind bereits mehrere Workshops angefragt und geplant. 

Aber wie läuft ein Workshop zur sozialen Stärkung von Gruppen ab?  

Eine Geschichte, das Modell der Farbbrillenparabel, die Gedankenwelt der Workshopteilnehmer*innen und ihrer Teamer*innen: Damit soll die Vereinfachung von den abstrakten Begriffen der Kultur und der Identität erreicht werden. Sowohl theoretische Ausführungen, als auch das Erstellen tatsächlicher Brillen helfen dabei. Im Verlaufe eines Workshops bei CG können diese gemalt, ausgemalt, gebastelt oder auch mit schauspielerischen Darstellungen der Teilnehmer*innen veranschaulicht werden. Die Farben und ihre Bedeutung sind dabei nicht vorgegeben, sondern können für jede*n etwas ganz Eigenes symbolisieren. So ist es für Frau Eckhardt wichtig, die Gedanken, die hinter jeder Farbmischung stehen, ausführlich zu besprechen. Statt sich über die Brillenfarbe des Gegenübers zu beschweren, nehmen beide Brillen neue Farben und Farbverläufe an. Bei einer Begegnung geht es nämlich um Perspektiven und die Heterogenität von Kulturen. Egal wie unterschiedlich die Mitglieder einer Gruppe auch sind, so können sie ihre Unterschiede und Ähnlichkeiten der Gefühls- und Gedankenwelt sichtbar machen. Es zeigt sich, dass Elternhaus und Freundschaften, Erlebnisse und Beziehungen, gute und schlechte Erfahrungen eine individuelle Sicht auf die Dinge kreieren. Auf Grund der Erkenntnis der Brillenparabel ist auch der Name des Programms entstanden: „Colored Glasses“, auf Deutsch: „Gefärbte Brillen“.  

In Vorbereitung mit Frau Eckhardt: das passende Thema finden  

Damit sich die Teilnehmer*innen mit dem Ablauf des Workshops identifizieren können, wird auf ihre Bedürfnisse eingegangen. In Vorgesprächen können Gruppenleiter*innen und Lehrkräfte äußern, was sie und ihre Gruppe aktuell bewegt. So lassen sich thematische Schwerpunkte setzen, denn die Workshops sind nach dem Baukastenprinzip aus den Erfahrungen und dem inhaltlichen Repertoire von CG zusammensetzt. „Das Kultur- und Identitätsverständnis von CG ist an die Wissenschaft angepasst und findet sich unter anderem in der Anwendung des Modells wieder“, beschreibt Frau Eckhardt. Neben den pädagogischen Grundlagen eines Workshops sollen aber auch das Einfühlungsvermögen der Teamer*innen und der situative Umgang mit Problemen die Gruppen für ihre Mitmenschen sensibilisieren.  

„Kein Workshop gleicht dem anderen“, betont Frau Eckhardt.  

Warum braucht es für Toleranz nun ein Modell wie die Brillenparabel? 

Die Schwierigkeit, kritische Themen für junge Menschen zugänglich zu machen, soll mit der einfachen Anwendung von kulturellen Modellen verständlich und anschaulich gemacht werden. In welchem Ausmaß die Brillenparabel zum Einsatz kommt, hängt von den Themenschwerpunkten der Workshops ab. Frau Eckhardt erklärt: „Häufig wird von Kulturen in Abhängigkeit von Nationen gedacht, das kann zu Streitigkeit in Gruppen führen.“ Hier möchte CG mit dem Modell der Brillenparabel anknüpfen und die Teilnehmer*innen zu Weltoffenheit bewegen, wobei des Weiteren angemerkt sei: „nicht immer lassen sich Spannungen lösen, nicht immer wird das Modell verstanden. Ein Modell ist eine starke Vereinfachung, nicht jedem gefällt so etwas. Die Meisten aber mögen diese Darstellung. Uns geht es darum, Denkanstöße zu geben. Wichtig ist das Gespräch, alles Weitere passiert langfristig in den Köpfen der Teilnehmer*innen.“ Da die teilnehmenden Gruppen sehr divers sind, wird auch die Brillenparabel selbst unterschiedlich behandelt und wahrgenommen. Jüngere Gruppen finden mehr Gefallen an einem kreativen Umgang mit den Brillen, während ältere Schüler oder junge Erwachsene vielmehr mit Vorliebe diskutieren und den Austausch schätzen. So oder so, mit den selbstgemachten Brillen werden immer gerne Erinnerungsfotos gemacht.  

Kein Workshop gleicht dem anderen  

Schulklassen, sowie Projekt- und Jugendgruppen ab einem Alter von 10 Jahren können jederzeit eine Workshopteilnahme anfragen. Diese kann allgemein und ohne eigene Vorstellungen sein, darf aber auch konkrete Themenwünsche, wie zum Beispiel „Stereotype“ oder „Multikulturalität“ beinhalten. Die Workshops verlaufen immer nach einem pädagogischen Schema, wobei der inhaltlichen Gestaltung keine festen Grenzen gesetzt sind. So gleicht kein Workshop dem anderen. Am Ende des Tages ist selbst das CG-Team immer wieder begeistert: „Ich selbst finde es super spannend und anschaulich, wie ausführlich und kritisch reflektiert die Hintergrundinformationen von CG zu den Workshopkonzepten sind.“, äußert Frau Eckhardt abschließend.  

Die Anwendungsmöglichkeiten der Brillenparabel sind breit, der Einsatz dynamisch. Mit dem Einsatz des Modells schaut Colored Glasses auf viele „Aha-Momente“ zurück und ist sich einer bunten Zukunft gewiss.

Autorin: Anna Carolin Föste, Titelbild: Nils Stahl, Edit: Colored Glasses  

Ein herzliches Dankeschön an die Autorin Anna Carolin Föste, die sich im Rahmen eines Semesterprojektes für diesen Beitrag mit Colored Glasses entschieden hat. Besonderen Dank an Sophie Eckhardt, die sich für das Interview zur Verfügung gestellt hat.

Für Anfragen zur Weiterverbreitung melden Sie sich gerne bei coloredglasses@yfu.de

Bei eigenem Interesse zur Erstellung von Beiträgen für Colored Glasses im Rahmen von Studienarbeiten oder zur Erweiterung Ihrer Publikationshistorie kontaktieren Sie gerne coloredglasses@yfu.de

Colored Glasses berichtet eine Woche auf dem YFU Instagram Account

von Mert Tabanca

Ein wunderschöner, spannender Takeover auf dem YFU Instagram Account ist zu ende gegangen! Das Ziel des Takeovers war es, neue Ehrenamtlichen für Colored Glasses zu gewinnen und interessierten Menschen Colored Glasses näher zu bringen und zu zeigen wer wir sind und was wir leisten. Uns war es dabei besonders wichtig Fotos aus unserem Alltag als Ehrenamtliche zu teilen und die verschiedenen Perspektiven und Motivationen aufzuzeigen. Unter dem Hashtag #buntsein könnt ihr unsere Beiträge nachverfolgen.

Während der Woche haben wir viele tolle Nachrichten von euch bekommen. Das Interesse hat uns wahnsinnig gefreut. Besonders haben wir uns über positives Feedback von euch gefreut. Während der Woche hatten wir auch die Möglichkeit für unsere kommende digitale Schulung am 21.06. 2020 von 17:00- 20:00 Uhr zu werben. Bis jetzt haben wir 9 Teilnehmende. Das freut uns natürlich sehr.

Nicht nur das wir neue Teamer*innen für unsere Workshops in dieser Woche werben konnten, neun wir haben auch einige neue Follower auf Instagram @coloredglasses_yfu bekommen. Unsere Familie wächst. Es freut uns sehr zu sehen wie Colored Glasses Teil eines großen YFU Netzwerkes ist und wie viele tolle Menschen es da draußen gibt.

Wenn ihr noch nie an einer Schulung teilgenommen habt und ihr jetzt noch spontan Lust habt dabei zu sein, dann seid ihr herzlich eingeladen! Schreibt uns unter coloredglasses@yfu.de.

Mert Tabanca arbeitet aktuell als Freiwilliger des ESK (Europäischen Solodaritätskorps) für Colored Glasses. Er war 2013/14 als Austauschschüler mit YFU in Deutschland und ist seither ehrenamtlich für den Verein aktiv.

Was ich im Webinar Gender und Medien gelernt habe

Es sind schon besondere Zeiten in denen wir uns befinden. Vermisst ihr es auch, euch mit anderen zu treffen und euch auszutauschen? Für mich war das Webinar „Gender und Medien“ von Eline Joosten deshalb eine willkommene Abwechslung in meinem Zuhause-Allein-Alltag.

Wusstet ihr, dass Frauen im Fernsehen immer noch deutlich unterrepräsentiert sind? Oder die Algorithmen bei Youtube, Facebook und Co. Geschlechterrollen noch verstärken? Vielfalt in den Medien muss man manchmal wirklich suchen. Oft hat man das Gefühl durch Photoshop und Co sehen die Menschen alle gleich aus. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Gerade für junge Menschen kann diese Diskrepanz zwischen dem idealtypisch gezeichneten Bild einer Frau, eines Mannes, eines Jugendlichen oder eines Kindes im Vergleich zur eigenen Realität krank machen. Zum Beispiel Essstörungen können entwickelt werden, da man glaubt eine Frau ist nur schön, wenn sie dünn ist. Gerade Jugendliche, die sich erst finden müssen, brauchen Vorbilder und zwar vielfältige Vorbilder!

Ich habe gelernt, dass wir in unseren Workshops und öffentlichen Beiträgen wie z.B. auf Instagram oder hier im Blog noch mehr darauf achten sollten, Vielfalt sichtbar zu machen. Das fängt bei den Medien (z.B. Videos, Fotos etc.) an, die wir verwenden oder die Geschichten von denen wir erzählen.

Ich bin froh, dass ich durch Colored Glasses immer noch weitere Anregungen bekomme und dazu lerne. Heute bin ich viel wachsamer, wenn ich durch die Zeitung blättere oder Filme schaue. Vielen Dank für die tolle Möglichkeit!

Eline selber war lange ehrenamtlich im Colored Glasses Vorstandsteam, Koordinatorin und Workshopleiterin. Sie hat nachhaltige Basisarbeit an unserem Konzept geleistet. Heute ist Eline als Gleichstellungsbeauftragte einer Gemeinde in Schleswig-Holstein unterwegs und wir freuen uns, dass wir sie als Expertin in dem Bereich heranziehen durften! Danke, Eline!

Eure Sara

Corona Pandemie bedeutet Herausforderungen und Chancen für Colored Glasses

Um ehrlich zu sein, am Anfang dachten auch wir, dass wir alle nach ein paar Wochen wieder zum Alten zurückkehren würde. Wir waren guter Hoffnung, dass die Schulen wieder in Betreib genommen werden würden und unsere Ehrenamtlichen das tun könnten, wofür sie ausgebildet sind – Toleranzworkshops anbieten, Schulungen durchführen.

Doch leider ist es nicht so gekommen und seit über 8 Wochen können wir keine Workshops und Weiterbildungen mehr anbieten. Auch die persönlichen Treffen von unseren Ehrenamtlichen mussten alle abgesagt werden.

Was macht das mit einem Bildungsangebot wie Colored Glasses?

Colored Glasses lebt davon nah bei den Menschen zu sein und da zuzuhören, wo keiner mehr hinhört. Die Auswirklungen sind enorm für uns. Da fallen nicht nur die persönlichen Kontakte mit den Schüler*innen weg, sondern auch Förderungen. Denn wer nichts tut, der erhält kein Geld. Doch gerade in einer Krise ist die Unterstützung von größter Relevanz, um auch in Zukunft weiter unseren Bildungsauftrag zu erfüllen. Hinzu kommt, dass unser Verein das Deutsche Youth For Understanding Komitee e.V. in existentiellen Schwierigkeiten steckt, da der Internationale Jugendaustausch zum Erliegen gekommen ist. Hunderte von Schüler*innen können im Sommer nicht in ihr Austauschjahr starten. Das ist nicht nur traurig, sondern führt auch zu einer finanziellen Schieflage des Vereins. 

Und doch wäre Colored Glasses nicht Colored Glasses, wenn wir uns nicht immer wieder neu erfinden würden. Was in den letzten Wochen und Monaten ehrenamtlich geleistet wurde, ist kaum mit Worten zu beschreiben. Da wurden Online-Sprechstunden für Pädagog*innen und Lehrkräfte organisiert, eine Instagram Kampagne zur Internationalen Woche gegen Rassismus gestartet, da wurden zahlreiche Online-Weiterbildung für unsere Ehrenamtlichen angeboten und eine neue Facebookseite veröffentlicht. Gerade jetzt gibt es unglaublich viel zu tun.

Falls du Unterstützen möchtest (mitmachen, weiterdenken, spenden), dann melde dich bei uns coloredglasses@yfu.de. Jede helfende Hand ist willkommen.

Wir möchten all denjenigen Danke sagen, die sich im Moment über ihre Kräfte hinaus dafür engagieren Colored Glasses gut durch diese Krise zu bringen.

Wir machen weiter – Sei dabei!

Euer CG-Vorstandsteam

Da es uns in dieser Zeit nicht möglich ist zusammen zu kommen, wollen wir das Zuhausebleiben nutzen um jeder interessierten Person die Chance zu geben mehr über Colored Glasses zu erfahren und alle Fragen rund um das Thema zu klären. Jede Person, unabhähig ob Interesse an ehrenamtlichen Engament, Workshops oder einfach Informationen zu unserem Bildungsprogramm besteht, ist willkommen. Wir freuen uns auf Ihre/Deine Teilnahme.

Schöne Grüße, Ihr CG-Vorstand

Hallo, mein Name ist Mert. Und hier möchte euch über mein Abenteuer im Freiwilligendienst mit Colored Glasses erzählen.

Im Land der Nuto herrscht die Königin weise und gut. Sie hat Sinn für das Gute und Schöne und möchte gemeinsam mit den Menschen in ihrem Land eine stielvolle Brücke bauen. Doch die Erfahrung und Kompetenz fehlt ihr. Deshalb lädt sie sich ein Team von erfahrenen Architekten ein, um gemeinsam eine Brücke zu bauen…

Dies ist keinesfalls der Beginn eines Märchens, sondern der Einstieg in eine Simulation, die vermittelt, wie es sich anfühlt, wenn kulturelle Unterschiede aufeinanderstoßen. Schon bei der Begrüßung kommt es zu Missverständnissen und Irritationen. Den Architekten ist ein effektives und schnelles voran kommen sehr wichtig, wohingegen den Nutos ein freundliches und offenes Miteinander sehr wichtig ist. Vor allem aber ist ihnen der Respekt gegenüber den Traditionen und den Regeln sehr wichtig. Und so nimmt die Simulation ihren Lauf und ein Missverständnis jagt das Nächste. Es vergehen weitere 45 Minuten und auf einmal Platz der Knoten und eine Brücke ist gebaut, die sich sehen lässt. Durch Beobachtung, Kommunikation, Kompromisse und einem toleranten Miteinander konnte das Ziel gemeinsam erreicht werden.

Am Wochenende trafen sich 15 Schüler*innen aus dem Eichsfeld in der Villa Lampe, um sich zu Toleranzbotschafter*innen ausbilden zu lassen. Mithilfe von interaktiven und erfahrungsorientierten Methoden lernen die Jugendlichen mehr über die Themen Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung. Die Ausbildung befähigt die Teilnehmende eigenständig Toleranzworkshops nach dem Konzept von Colored Glasses in Schulklassen durchzuführen. Geleitet wurde die Schulung von Sara Klingebiel und Merle Doerwald die ehrenamtlich für das Bildungsangebot von YFU aktiv sind.

Die Colored Glasses Toleranzbotschafter*innen Schulung ist ein Teil des Projekts Building Bridges- Demokratie stärken im Eichsfeld, welches in Kooperation mit der Ko-ra-le e.V. und YFU organisiert wird. Das Projekt ist durch das Bundesprogramm Demokratie Leben“ im Eichsfeld gefördert und baut auf den erfolgreichen Projekten „Interkulturelles Training“ (2015/16), „Interkulturelles Theater“ (2016), „Integrationslotsen“ (2017) und dem „Toleranz-Botschafter*innen“ (2018) auf. Im vergangenen Jahr gewann das Projekt sogar den Thüringer Demokratiepreis

Wir sagen Danke für so viel Engagement und freuen uns auf weitere Toleranzworkshops in den kommenden Wochen. Workshops können für Schulklassen kostenfrei unter dieser Telefonnummer gebucht werden: 040/227002-260.

Folge uns auf Instagram! @coloredglasses_yfu

Denke an eine Person oder einen Ort, den du mit deinem Austauschjahr oder YFU verbindest. Wieso denkst du gerade an diese Person, was ist für dich das besondere an dem Ort? Erzähle deine Geschichte.

Mit dieser Reflexion begannen wir eine moderne Art des Geschichtenerzählens zu erkunden. In Mollina, Spanien, umringt von trockener Erde und Olivenhainen erlernten weitere 23 YFU-Aktive und ich die Methode des digital storytelling, indem wir unsere eigene Geschichte digital erzählten. 

Für manche war es eine lange Reise nach Spanien, zum Teil kamen Teilnehmerinnen aus Lateinamerika oder Asien. Für mich war es eine lange Reise in die Vergangenheit. Vor bereits 10 Jahren habe ich mein Austauschjahr in Uruguay verbracht. Dank YFU-Arbeit entsteht zwar häufig das Gefühl der Austausch geht nie zu Ende. Aber zu überlegen, wieso mir, mit der obigen Frage konfrontiert, direkt meine Gastmutter Adriana einfiel, wieso sie so wichtig ist für meine Geschichte, lies mich viel existentialistischer Zurückkehren. Ich weiß wie meine Werte, meine Wahrnehmung und mein Verhalten sich aufgrund meiner YFU-Erfahrungen verändert haben. Aber wenn man seine Geschichte erzählt, dann holt man diese abstrakte Ebene auf den Boden seines eigenen Lebens zurück und versteht plötzlich Entscheidungen, die man getroffen aber nie ganz verstanden hat. Geschichten sind nicht nur für das in die Jahre gekommene Kulturhaus das Fundament, sondern auch für jeden einzelnen Menschen. Somit eröffnet sich YFU ein ganz neuer Horizont an Möglichkeiten  fundamentaler und persönlicher Reflexionsarbeiten. 

Digitale Geschichten werden in drei Schritten erzählt. Zunächst wird der Inhalt erstellt. Angefangen mit der Reflexion wird überlegt, welche Geschichte erzählt werden möchte und welche Bedeutung sie hat. Dabei ist es wichtig, dass es um seine eigene Geschichte geht und nicht die von jemand anderem. Es kann ein Moment beschrieben werden, der einem als ausschlaggebend erscheint. Was hat sich verändert, welche Gefühle spielten dabei eine Rolle und wieso war das so wichtig? 

In etwa eine Seite Text soll auf diese Weise entstehen, der dann im zweiten Schritt vertont wird. 

Mit einem Mikrofon nimmt man seine Erzählung auf und überlegt, ob man noch weitere Tonspuren hinzufügen will. Ich wählte einen, für uns 4/4tler sehr chaotisch klingenden, afrikanischen Takt aus 7 Schlägen, nahm ihn auf und legte ihn unter meine Stimme. Er symbolisiert, wie Adriana, mein sehr logisches Denken um einen eher spirituellen, gefühlsinduzierten und dadurch chaotisch wirkenden Modus erweiterte, um den es in meiner Geschichte geht. 

Im dritten Schritt müssen sich die Erzählenden überlegen, wie sie, das was sie mitteilen und zum Ausdruck bringen möchten, verbildlichen können. Künstlerisch begabte können Bilder malen und animieren. Neues und auch altes Videomaterial wird auf die Tonspur geschnitten. Beim digital storytelling lernt man also auch ein bisschen software-Handwerk. 

Als Resultat des Seminars erhielten wir auf diese Weise 23 sehr persönliche Kurzfilm-Geschichten, manche bewegend, manche sehr lustig, aber alle ehrlich und nachvollziehbar. 

So wie mir als Erzählerin die Reflexion am meisten gebracht hatte, empfand ich auch die Bedeutungskraft in den anderen Filmen als stark beeindruckend. Einige erklärten sich bereit ihre Filme für YFU-Öffentlichkeitsarbeiten zur Verfügung zu stellen. 

Gerade für die Gastfamiliensuche sehe ich in den digital stories ein motivierendes Potential. Wir hatten eine Gastmutter aus Italien dabei, die sehr rührend erzählte, wie sie ihren ersten Sohn in die Familie aufnahm. Aber auch problematische Geschichten können beruhigen und helfen die eigenen Probleme zu sortieren. Das Erstellen weiterer Videos ist außerdem eine schöne Arbeit für die Kooperation mit Gastfamilien und vielleicht auch eine gute Methode für die Nachbereitung derselben. Die Wege müssen noch gefunden werden, aber YFU hat einen weiteren Schritt mit der Modernisierung gemacht und sich eine neue digitale Methode erschlossen.

Autorin: Enya B.-S.

Dies ist einer von zwei Berichten zur Fortbildung Digital Storytelling. Hier ist die Colored Glasses Perspektive von Meryem.