MITWIRKEN CROWDFUNDING CONTEST 2021

Colored Glasses benötigt Deine Stimme und Unterstützung: Gemeinsam Großes bewegen – noch bis zum 19. Mai!

Am 21. April 2021 ist der Startschuss zum Crowdfunding-Contest von MITWIRKEN gefallen, an dem in diesem Jahr auch Colored Glasses teilnehmen darf.

Seitdem ist einiges passiert und wir haben bereits einen ersten großen Erfolg feiern können: Gemeinsam haben wir unser Fundingziel von 10.000 € erreicht! Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Personen, die Colored Glasses im Rahmen des Wettbewerbs bislang unterstützt und das Erreichen dieses Ziels ermöglicht haben.

In einem zweiten Schritt zählt nun vor allem die Anzahl unserer Unterstützer*innen – denn die 20 Projekte mit der größten Crowd erhalten ein zusätzliches Preisgeld der Hertie-Stiftung. Bis zum 19. Mai haben wir die Chance, je nach Platzierung ein Preisgeld zwischen 5.000 € und 25.000 € zu gewinnen: Beträge, mit denen Colored Glasses sehr viel bewirken kann.

Wir würden uns freuen, wenn Du Colored Glasses auf startnext.com/coloredglasses Deine Stimme gibst und die Aktion mit einem Mindestbeitrag von 5 € oder mehr unterstützt. Bitte teile die Kampagne auch mit Deiner Familie und Deinen Freunden über Facebook, Instagram, WhatsApp oder per Mail. Jede Stimme zählt und bringt Colored Glasses dem Ziel näher!

Deine Familie und Freunde kennen Colored Glasses noch nicht? Teile doch gerne unser Pitch-Video mit ihnen – dort stellen wir unser Projekt vor:

Mehr Informationen zum Crowdfunding-Contest von MITWIRKEN findest Du hier.

Abschlussbericht für unser startsocial-Stipendium

Ein halbes Jahr ist es nun her, dass wir die Zusage zu dem Stipendium von startsocial erhielten, das uns bei der Weiterentwicklung von Colored Glasses unterstützen würde. Zu dem Zeitpunkt war uns noch gar nicht klar, was alles auf uns zukommen würde. Sechs Monate später haben wir nun einen Bericht eingereicht, der es in sich hat: Auf 10 Seiten beschreiben wir komprimiert, was in den ereignisreichen vergangenen vier Monaten seit Beginn der startsocial-Beratungsphase im November alles passiert ist:

Volle Kraft voraus in Sachen Digitalisierung!

Eine Digitalisierungsstrategie, die wir erarbeitet haben, gibt nun einen Rahmen vor, welche digitalen Maßnahmen wir zukünftig wie umsetzen wollen. Das umfasst nicht nur unser Online-Bildungsangebot und dessen Inhalte, sondern auch interne Strukturen und Prozesse, welche uns die Arbeit erleichtern sollen. Dies betrifft z.B. die Kommunikation nach innen und außen, unsere Organisation oder das Wissensmanagement.

In der Konzeptwerkstatt wurden Leitfäden zur Umsetzung von Online-Schulungen für neue Teamende und Online-Workshops entwickelt. Die ersten Online-Workshops haben schon mit Schulklassen stattgefunden und eine sehr positive Resonanz erfahren. Seit neustem verfügen wir nun außerdem über eigene Lernvideos, die der Weiterbildung unserer ehrenamtlichen Teamenden dienen. Manche werden schon in der gerade laufenden Online-Schulung eingesetzt, andere Lernvideos befinden sich aktuell in der Fertigstellung. Außerdem ist ein Arbeitsplan zur umfangreichen Aktualisierung des Workshop-Konzepts aufgestellt, der in den kommenden Wochen weiter mit Inhalt gefüllt werden will. Dieses Vorhaben wird uns noch eine Weile begleiten.

Abschlussbericht für unser startsocial-Stipendium
Der startsocial-Abschlussbericht: Das Ergebnis vier ereignisreicher Monate!

Meilensteine in Finanzen, Fundraising und Kommunikation

Doch das war noch nicht alles – auch im Bereich der Finanzen und des Fundraisings gab es große Fortschritte. Wir haben an insgesamt 15 kostenlosen Weiterbildungen zu diesen Themen teilgenommen, die natürlich alle online stattfanden. Die Erkenntnisse flossen direkt in die Erarbeitung des Finanzplans und der Fundraisingstrategie ein. Letztere verfolgt die Vision, weitere finanzielle Quellen zu erschließen, die die Werte unserer Bildungsarbeit widerspiegeln. Die Fundraisingstrategie soll uns finanziell unabhängig machen und damit die ehrenamtliche Arbeit ermöglichen. Dafür wollen wir unser Programm sichtbar und attraktiv gestalten durch passende Spendenaktionen, gezielte Kommunikation und langfristige Partnerschaften.

Das geht nur mit der nötigen Power und Expertise zur Pflege unserer Social-Media-Kanäle. Wir sind unglaublich froh über den personellen Zuwachs in diesem Bereich, der mit seiner Kreativität das Team wunderbar ergänzt. Ein Kommunikationsplan legt die zielgruppenspezifische Ansprache für die digitalen Kommunikationskanäle fest, wodurch die Beiträge eines ganzen Jahres geplant werden können. Die passenden Programme zur Visualisierung und zum zeitversetzten Erscheinen der Posts unterstützen das Marketing-Team.

Ein riesiges Dankeschön an unsere Coaches!

Ohne den unermüdlichen Einsatz unserer Coaches Armand und Lukas hätten wir niemals einen solchen Schub nach vorn bekommen. Wir haben gelernt strategischer zu denken, Prozesse zu hinterfragen und zu vereinfachen. Unsere Coaches haben mit uns für jedes Ziel und jeden Meilenstein gekämpft, uns immer wieder auf die Bahn gelenkt, wenn wir in der Digitalisierung herumirrten, und die unangenehmen Fragen gestellt, auf die wir die wichtigen Antworten finden mussten. 

CG-Vorstandsmitglied Lena im Meeting mit unseren Coaches Armand und Lukas

Es sind Schweißperlen bei der Suche nach den perfekten Formulierungen gekullert und die finale Durchsicht der Dokumente haben sie als Duell der Fehlerfüchse verstanden. Wir sind unendlich dankbar für die Erkenntnisse, die wir aus der Zusammenarbeit mitnehmen durften und die uns noch einige Jahre tragen werden. VIELEN VIELEN DANK!! Sobald es die Umstände erlauben, möchten wir uns auch persönlich bei euch bedanken.

Und wie geht es weiter?

Das war es jetzt? Noch nicht ganz. Mehrere Juror*innen studieren jetzt unseren Abschlussbericht. Sie werden ihn nach Kriterien bewerten und ganz besonders unsere Weiterentwicklung während der Beratungsphase unter die Lupe nehmen. Die 25 überzeugendsten Projekte der 100 startsocial-Stipendiat*innen schaffen es in die Bundesauswahl, aus denen sieben zu den Preisträger*innen gekürt und mit je 5.000 € für ihre Bemühungen belohnt werden. Es bleibt spannend!

Dorothea Schmidt
Dorothea Schmidt

Meine erste Begegnung mit Colored Glasses hatte ich 2006.  

Ich war durch den Austausch meiner Kinder gerade erst wieder zu YFU zurückgekehrt und ungefähr zur gleichen Zeit durch glückliche Umstände in einem Projekt gelandet, das im Februar 2006 in Bonn eine Tagung durchführte – mit dem schönen Titel „Schüleraustausch: Auslaufmodell oder wichtiger denn je?“ Bei der Tagung kamen Lehrkräfte aus ganz Deutschland zusammen, der AJA (Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch, Anm. d. Red.) war beteiligt, damals vertreten durch Rita Stegen, und Julika Bake war gekommen, um Colored Glasses vorzustellen.  Rückblickend war das für mich also auch eine frühe und sehr schöne Begegnung mit zukünftigen YFU-Vorstandsmitgliedern.   

Ich kann mich gut erinnern, wie tief mich damals Julikas Präsentation beeindruckt hat. Seitdem ist Colored Glasses für mich ein wichtiger Teil der YFU-Arbeit.  

Eine indirekte Folge der genannten Tagung war dann meine Beteiligung an dem Projekt IKUS – Interkulturelles Lernfeld Schule – von 2009 bis 2011, in dem ich viele wichtige Erfahrungen an einer Kölner Hauptschule mit ca. 80 % Kindern aus Einwandererfamilien sammeln konnte. Ganz wesentlich war dabei die Chance, Colored-Glasses-Workshops in einer Hauptschule erproben zu können. Es gab damals erst wenige Erfahrungen dazu. Daher durfte ich an Jahrestreffen und Fortbildungen bei Colored Glasses teilnehmen und konnte miterleben – aus der Ferne, denn ich war bei den Workshops nicht dabei –, wie die Konzepte an die Bedürfnisse und Möglichkeiten dieser Schüler*innengruppe angepasst wurden. Ich erinnere mich sehr gern an die produktive Zusammenarbeit.   

In meinem Bericht für IKUS heißt es zu den Workshops an „meiner“ Schule: 

„Es ist hervorzuheben, dass die Durchführung der Workshops an sich schon den Charakter einer „interkulturellen“ Begegnung hatte. Ein Team, bestehend aus jungen Leuten mit hohen Bildungsabschlüssen und großem ehrenamtlichen Engagement, traf auf Hauptschüler aus einem schwierigen sozialen Umfeld. In ersten Gesprächen nach der Beendigung der Workshops wurde deutlich, dass allein die Begegnung  bestehende Stereotype und Vorurteile auf beiden Seiten infrage stellte.“ 

Weniger nüchtern war die Rückmeldung einer beteiligten Lehrerin: „Unsere Schüler*innen konnten nicht fassen, dass Abiturient*innen(!) so intensiv an ihnen interessiert waren, und dabei so nett, also ganz normal, waren.“ Bei den Teamer*innen wurden auf ganz ähnliche Weise Vorurteile zurecht gerückt.  

Seither habe ich die weitere Entwicklung bei Colored Glasses eher aus der Ferne, aber mit großem Interesse verfolgt. Ich bin immer noch sehr beeindruckt und hoffe, dass die nächsten 20 Jahre auch so gut verlaufen werden. 

Ganz herzliche Glückwünsche, 
Dorothea 

Dorothea Schmidt 
Austauschjahr 1967/68, Ohio, USA 
Zurzeit hinzugewähltes Mitglied im YFU-Vereinsrat

Ein herzliches Dankeschön an Dorothea Schmidt, die ihre Colored-Glasses-Geschichte anlässlich des 20. Jubiläums unseres Bildungsangebots geteilt hat!

Lima Sayed
Lima Sayed

Lima Sayed verbrachte 1996/97 mit Youth For Understanding (YFU) ein Austauschjahr in Michigan. Heute engagiert sie sich beim YFU-Bildungsangebot Colored Glasses und trainiert dort Teamer*innen. Lima arbeitet an der Universität Hamburg im Career Center und gibt freiberuflich Workshops zu Critical Whiteness. Was das bedeutet? Das und mehr erzählt sie im Interview:

Liebe Lima, in deiner freiberuflichen Arbeit und deinem aktivistischen Engagement beschäftigst du dich insbesondere mit Critical Whiteness. Was müssen wir uns unter diesem Begriff vorstellen? 
Critical Whiteness eröffnet uns allen eine Perspektive, um differenzierter auf Machtstrukturen und Diskriminierungsformen wie Rassismus zu schauen. Rassismus ist eben nicht nur eine Ausnahmeerscheinung, die von extremistischen Gruppen ausgeübt wird oder sich auf Vorurteile und Beleidigungen beschränkt. Diese Vorstellungen von Rassismus herrschten die längste Zeit vor. Dabei spiegelten sie vornehmlich die Erlebniswelt von weißen Menschen wieder – Menschen also, die selbst nicht von (systemischem) Rassismus betroffen waren oder sind.

Wir erleben seit einiger Zeit eine ungekannte Aufmerksamkeit auf Rassismen in allen möglichen Bereichen der Gesellschaft. Es ist, als wurde ein Schleier gelüftet. Dabei ist es nicht so, dass vorher kein Rassismus vorhanden war. Er war aus der Perspektive und Erlebniswelt weißer Menschen eben nicht zu sehen oder zu verstehen. Die kritische Weißseinsforschung hat ermöglicht, Rassismus in seiner Tragweite zu verstehen und die Beschränktheit der Perspektive weißer Menschen zu überwinden. Um eine Metapher zu verwenden: Wir alle haben unsere Eindrücke und Vorstellung vom Mond. Wie der Mond wirklich beschaffen ist, erfahren wir aber besser von Menschen, die selbst dort waren.

Warum ist es so wichtig, dass sich Menschen mit diesem Konzept auseinandersetzen? 
Ich denke, wir leben in einer Zeit, in der sich unheimlich viel unheimlich schnell verändert. Wir verstehen Deutschland heutzutage als ein Einwanderungsland. Heute würden sich auch nicht mehr so viele Menschen auf den Schlips getreten fühlen bei der Aussage „Der Islam gehört zu Deutschland“. Ich denke, durch die Konzepte der kritischen Weißseinforschung kann der eigene reduzierte Blick, die eigene Erlebniswelt ausgeweitet werden. Unser Verständnis voneinander wird umfassender.

Wenn du die Teilnehmer*innen deiner Workshops und Angebote vor Augen hast: Wie viele Kompetenzen bringen die Menschen heutzutage auf diesem Feld schon mit? Hat sich da über die letzten Jahre etwas verbessert? 
Das ist schwer zu sagen. Als ich vor über 10 Jahren mit meiner Forschung zu Rassismus und Weißsein im US-Film begann, habe ich mich sehr schwer damit getan, ob ich den Begriff „Rasse“/Rasse (als „biologisches“ und soziales Konstrukt) überhaupt verwenden könne. Und auch von weißen Menschen zu sprechen war damals sehr schwierig, weil ich den Eindruck hatte, dass es in der deutschen Mehrheitsgesellschaft kein Bewusstsein über das eigene Weißsein gibt. Ich finde es ganz erstaunlich, wie selbstverständlich das heute schon für viele Menschen ist, insbesondere wie reflektiert Jugendliche heutzutage sind. Und was die Menschen in meinen Workshops betrifft, so habe ich das Glück, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die sich ja bewusst mit diesen Themen beschäftigen wollen und eine große Offenheit mitbringen.

Lima mit dem ersten Exemplar ihres Buches "Weisse Helden im Film".
Lima mit dem ersten Exemplar ihres Buches „Weisse Helden im Film“.

Die Auseinandersetzung mit Rassismus und Diskriminierung spielen auch in der YFU-Strategie 2025 eine Rolle. Unter anderem soll in den Konzepten und Strukturen eine klare antirassistische und antidiskriminierende Haltung umgesetzt werden. Was wären aus deiner (Expertinnen‑)Perspektive die nötigen Schritte, damit wir darin erfolgreich(er) werden?
Bei YFU erlebe ich eine sehr lebendige und offene Gesprächskultur und die Bereitschaft sich immer wieder auch mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen. Ich denke, das ist ganz wesentlich für die Beschäftigung mit (Anti-)Rassismus und (Anti-)Diskriminierung. Wichtiger als irgendwelche (politischen) Schritte empfinde ich die Haltung, die bei YFU gelebt wird. Und mit dieser Haltung wird der Verein sicherlich auch in Zukunft sensibel und verständig auf die Herausforderungen bezüglich dieser Themen eingehen. Ich denke, das stetige Lernen – über uns selbst und über einander, vor allem aber miteinander –  ist dabei der Schlüssel.

Du engagierst dich auch ehrenamtlich bei Colored Glasses. Was treibt dich dabei an?
Mich treiben die Werte an, die bei Colored Glasses und auch bei YFU gelebt werden. Tatsächlich war mein eigenes Austauscherlebnis ganz wesentlich für meinen Werdegang und die Beschäftigung mit Rassismus und Critical Whiteness. Nicht nur, dass ich in der Amerikanistik promoviert habe (mein Austauschjahr war 1996/ 97 in Michigan). In meinen Workshops berichte ich häufig davon, dass ich das erste Mal in meinem Leben durch mein Austauschjahr mit YFU eine intellektuelle Rahmung für die Phänomene erhalten habe, die mein eigenes Leben als Deutsche mit afghanischen Wurzeln ausgemacht haben.

Zum Schluss bitte eine Runde Orakeln: Wie stellst du dir die Gesellschaft in 15 Jahren vor – wird sie merklich reflektierter mit dem Thema Rassismus umgehen?
Ich glaube wir sind auf einem guten Weg. Ich denke, was heute noch unter dem Buzzword Diversity als sehr exotisch oder besonders gilt, ist vielerorts in Deutschland schon längst gelebte Realität. Ich wünsche mir im Diskurs um Rassismus vor allem, dass wir in einen empathischen und respektvollen Austausch miteinander gehen. Und ich glaube, sehr vielen Menschen ist daran gelegen.

Einmal um die Welt - Logo

Nach nur zwei Monaten haben wir zusammen bereits 1/4 unseres Weges um die Welt geschafft!

Im Januar 2021 fiel der Startschuss für unsere Aktion „Einmal um die Welt“ – seitdem haben sich bereits 135 Teilnehmende dafür registriert, Teil unserer gemeinsamen, 40.000 km langen Reise zu sein und dafür ihre unmotorisiert zurückgelegten Kilometer zu spenden.

In großen Schritten sind wir von Hamburg aus Richtung Süden gestartet und durchstreifen gerade den afrikanischen Kontinent. Derzeit stoppen wir in Sambia und sind auf dem Weg nach Simbabwe.

Unser Ziel ist es, durch die gespendeten Kilometer die Welt zu umrunden und dadurch die Vielfalt auf unserem Planeten und unser 20-jähriges Jubiläum zu feiern. Hinterlasse auch Du mit uns einen Fußabdruck für die Förderung einer aktiven und toleranteren Zivilgesellschaft.

Mit „Einmal um die Welt“ verbinden wir jedoch nicht nur unsere Jubiläums-Aktion, sondern auch eine unserer langjährigen Workshopsimulationen. Mit dieser Simulation wollen wir den Jugendlichen die Themen Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung näher bringen. Das Besondere ist, dass dieser Workshop für all unsere Zielgruppen angewendet und seit diesem Jahr sogar auch online durchgeführt werden kann. Denn dieses Jahr geht es nicht nur um die Welt, sondern auch digital in die Klassenzimmer.

Unsere Reise kann auf Facebook und Instagram verfolgt werden und unter diesem Link kannst Du Dich anmelden.

Weitere Informationen zu unserer Aktion gibt es hier.

MITWIRKEN - Das Hertie-Förderprogramm für gelebte Demokratie

Colored Glasses wurde ausgewählt am Programm MITWIRKEN, dem Förderprogramm der Hertie-Stiftung für gelebte Demokratie, teilzunehmen!

MITWIRKEN begleitet, unterstützt und fördert Demokratie-Projekte, die Partizipation gestalten, Dialog anregen oder Vielfalt stärken. Genau das also, was seit 20 Jahren Ziel von Colored Glasses ist! Wichtiger Bestandteil des Programms ist ein Crowdfunding-Contest.

Gemeinsam Großes bewegen: startnext.com/coloredglasses !

Werde Teil der Colored Glasses Crowd und unterstütze uns mit einem Mindestbeitrag von 5 Euro oder mehr auf startnext.com/coloredglasses! Hilf mit unser Fundingziel von 10.000 Euro zu erreichen und so viele Unterstützer*innen wie möglich zu finden. Die 20 Projekte mit der größten Crowd erhalten ein Preisgeld der Hertie-Stiftung. Mit dem Geld soll das Bildungsangebot Colored Glasses in diesem Jahr finanziell gesichert werden, damit in 2021/ 22 Toleranzworkshops für ca. 1650 Teilnehmende angeboten werden können.

Was ist Crowdfunding?

Die Idee hinter Crowdfunding ist einfach: Viele Menschen (die Crowd) finanzieren (fund) auf einer digitalen Plattform gemeinsam eine Idee oder ein Projekt. Dafür starten bei MITWIRKEN alle ausgewählten Projekte gemeinsam in einen Crowdfunding-Contest auf der Plattform Startnext. Wir bauen unsere Community aus und finanzieren so unser Bildungsangebot. Die 20 erfolgreichsten Projekte, die die größte Anzahl an Spender*innen mobilisieren, erhalten außerdem zusätzliche Preisgelder in Höhe von insgesamt 200.000 Euro von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung.

Der Startschuss zum Crowdfunding-Contest ist am 21. April gefallen. Die Kampagne läuft noch bis zum 19. Mai 2021.

Bitte teilt unsere Kampagne in euren sozialen Netzwerken, denn nur gemeinsam können wir Großes bewegen.

Cybermobbing
Literatur

Wir hoffen, ihr geht mit viel neuem Wissen und vielen neuen Perspektiven auf das Thema „Cybermobbing“ aus dieser Woche. Ausgelernt hat man nie – wer sich noch intensiver informieren möchte, findet hier daher eine Übersicht von Literatur und Websites, die Benedikt Leven für die weitere Auseinandersetzung empfiehlt:

Dem Autor scheint „Cybermobbing – Wenn das Internet zur W@ffe wird“ (2014) von Catarina Katzer das derzeit beste einschlägige Kompendium auf dem deutschsprachigen Markt zu sein.  

Im Übrigen bleibt das erfrischend lebensnahe „Zum Frühstück gibt’s Apps“ (2. Aufl. 2020) von Gerald Lembke und Ingo Leipner für „[m]ehr Überblick in der digitalen Welt“ (so die Unterüberschrift) – auch in anderen Bereichen des Internets – zu empfehlen: Ab S. 173 wird dort auf Mobbing und Chatfallen eingegangen. 

Christian Scherg, ein medial häufig vertretener „Experte für Krisenkommunikation“, hat einige erhellende Beiträge auf verschiedenen Plattformen geliefert, die auf seiner Homepage versammelt einsehbar sind.

Schließlich könnten die folgenden Webseiten aufschlussreich sein:

CyberBullying (stopcyberbullying.eu)

Bündnis gegen Cybermobbing e.V. – Mobbing Internet/Netz (buendnis-gegen-cybermobbing.de)

Initiativbüro Gutes Aufwachsen mit Medien (gutes-aufwachsen-mit-medien.de)

klicksafe.de: Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz – klicksafe.de

Startseite – webhelm

Zehn Goldene Regeln im Umgang mit Hass im Netz (neuemedienmacher.de)

Autor: Benedikt Leven

Benedikt Leven hat Rechtswissenschaft studiert und promoviert an der Universität Passau bei Professor von Lewinski zu Hate-Speech und Fake-News in ihrer Bedeutung für den öffentlichen Diskurs der Demokratie. Das Thema „Cybermobbing“ interessiert ihn, weil es so nah mit der digitalen Gewalt verwandt ist, die sich gegen die öffentliche Meinungsbildung richtet. Für das Wintertreffen von Colored Glasses im Januar 2021 hat er einen Workshop zu diesem Thema konzipiert und den Teilnehmenden so wissenschaftliche Perspektiven darauf nähergebracht.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Benedikt Leven!

Seinen Lebenslauf, seine Publikationshistorie und seine Kontaktdaten findet ihr hier auf der Webseite der Universität Passau.

Den vollständigen Text, den ihr in den letzten Tagen in Ausschnitten auf unserem Blog finden konntet, könnt ihr hier herunterladen:

Cybermobbing
Team

Praktische Ansätze zur Bewältigung von Cybermobbing im Schulkontext:

1.  Wenn möglich: (Er-)Klärung
  • Manchmal kann auf – insbesondere sachliche – „Hater“-Kommentare eingegangen werden, um etwaige Missverständnisse aus dem Weg zu räumen (Lembke/Leipner, Zum Frühstück gibt’s Apps, 2. Aufl. 2020, S. 188).
2.  Hilfe im online- oder „real-life“-Umfeld
  • Zunächst einmal können wahrscheinlich schon das Wissen und die Vergewisserung darum helfen, dass man nicht auf sich alleine gestellt ist. 
    • Womöglich kann auch die Souveränität und Standhaftigkeit von Sarah Bosetti oder Hasnain Kazim zum Durchhalten ermutigen, die in Büchern über ihren Umgang mit Hasskommentaren berichtet haben (Bosetti, „Ich habe nichts gegen Frauen, du Schlampe!“: Mit Liebe gegen Hasskommentare, 2020; Kazim, Post von Karlheinz: Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte, 2018).
  • Im Ernstfall sollte man sich Hilfe suchen und vielleicht zunächst eine private Gegenöffentlichkeit aufbauen (vgl. Lembke/Leipner, Zum Frühstück gibt’s Apps, 2. Aufl. 2020, S. 188).
  • Bei erforderlichen rechtlichen Schritten können „Beratungsstellen bei digitaler Gewalt“ – wie etwa Hate Aid – helfen. 
3.  Allgemein: „Gesteigertes Bewusstsein“

Bis zur „praktischen“ (und an sich vorzugswürdigen) Lösung des Problemfeldes auf gesellschaftlicher Ebene (bislang noch bestehende „offene Flanken“ wurden oben unter C. angedeutet) könnte vor allem ein „gesteigertes Bewusstsein“ insbesondere für die eigene Verantwortlichkeit und die eigenen emotionalen Reaktionsmöglichkeiten als „freies Individuum“ auf die Online-Bedrohungen der Moderne eine wichtige Ergänzung zu den bereits oben genannten Punkten sein.   

a) Bewusstsein für die technischen Bedingungen der Online-Sphäre, in der sich Cybermobbing entfaltet

Wenn wir achtsam nachvollziehen und uns ins Gedächtnis rufen, dass nicht aller „Mob“ unmittelbar „menschengemacht“ ist, sondern die technische Sphäre des Internets digitale Gewalt begünstigt (dazu schon oben B.), dann ist schon viel gewonnen – auch wenn freilich der Hass dadurch immer noch übermächtig erscheinen kann.

b) Bewusstsein für die Folgen „übertriebenen“ Internet-Medienkonsums

  • Immer wieder wird in der Wissenschaft vor „übertriebenem“ Internet-Medienkonsum – gerade durch junge Leute und gerade auf sozialen Netzwerken – gewarnt: Depressionen drohen durch das „ständige Vergleichen“, etc.
  • Die Grenzen zwischen der virtuellen und der realen Welt dürfen daher nie verschwimmen!
  • Wenn wir ein „echtes“ festes und funktionierendes Familien- und Freundesnetz haben, wird uns Hate-Speech im Netz weniger anhaben können (instruktiv in diesem Zusammenhang Spitzer, Cyberkrank!, 2015 und Turkle, Verloren unter 100 Freunden, 2012). 

c) Bewusstsein für mögliche eigene emotionale Traumatisierung, die durch das Cybermobbing „reaktiviert“ wird

Es kann sein, dass Cybermobbing extrem „dunkle“ Emotionen bei einzelnen Betroffenen wachruft, die in keinem „angemessenen Verhältnis“ zur Schwere der aktuellen Hate-Attacke stehen.

Hier könnten etwaige „alte Wunden“ nachwirken, deren Ursachen für uns schon gar nicht mehr aktiv in unserem Gedächtnis abrufbar sind.

Wissen wir um die Möglichkeit solcher alten eigenen Wunden und haben wir uns bewusst mit ihren (möglichen) Folgen ausgesöhnt (hierzu sehr lesenswert Charf, Auch alte Wunden können heilen, 2018), so können wir innerlich gestärkt und selbstbewusst auf potenzielle Angriffe reagieren. 

d) Bewusstsein für die Bedeutung eines positiven Selbstwertgefühls

Insgesamt kann uns die Cybermobbing-Gefahr (auch gerade als Eltern) – wieder – die Bedeutung der Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls junger Erwachsener vor Augen führen (vgl. Katzer, Cybermobbing, 2014, S. 152).

e) Bewusstsein für Möglichkeiten zur emotionalen Selbstregulation

In der Psychologie wird mit dem Begriff der „emotionalen Selbstregulation“ auf Prozesse Bezug genommen, die wir nutzen können, um die Art, die Intensität oder die Dauer von Emotionen in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen.

Wenn wir uns darüber bewusst sind, dass wir nicht „emotional rigide“ (vgl. das Konzept der „Emotional Agility“ nachSusan David) auf bestimmte äußere – auch hasserfüllte – Reize in der (Internet-)Außenwelt reagieren müssen, so werden wir innerlich freier und können durch neue positive Emotionen verletzenden Eindrücken aus dem Netz entgegenwirken (vgl. nur den in der Wissenschaft sachte unterstellten „Undoing Effect of Positive Emotions“).

Die Versuchung wird wohl immer darin bestehen, „negativen“ gefühlsmäßigen Reaktionen einfach entkommen zu wollen und sich abzulenken, was aber zu Isolation und dadurch vielleicht sogar Depression (vgl. Hari, Der Welt nicht mehr verbunden, 2019) führen kann. Andere Formen der „destruktiven“ Ablenkung könnten für Cybermobbing-Opfer in der Zuflucht zu Essen, Computerspielen oder Fernsehen bestehen.

Was kann hier helfen? 

  • Die achtsame Wahrnehmung der eigenen gefühlsmäßigen Reaktion (Rosenberg, 90 Seconds to a life you love, 2019).
  • Gespräche und Begegnungen mit anderen Menschen, in denen ein Austausch über die eigenen Gefühle stattfindet. 
  • Meditation oder Gebet (Ricard, Why Meditate: Working with thoughts and emotions, 2010) 
  • Sportliche Aktivität bzw. Yoga 
  • Musik bzw. Gesang

f) Bewusstsein für „narzisstische“ bzw. „perverse“ Persönlichkeitsstörungen (im weiteren Sinne)

In der wissenschaftlichen Literatur wird – quer durch verschiedene Disziplinen hinweg – immer wieder bestätigt, dass Menschen, die selbst traumatische sprachliche/seelische Verletzungen (gerade in ihrer Kindheit) erlitten haben, später dazu neigen, andere mit Worten zu verletzen.

Vor dem Hintergrund dieses Wissens mögen Betroffene in dem Bewusstsein wachsen, dass verletzende Worte, die uns im Internet begegnen, wie im echten Leben, „nichts mit uns zu tun haben“, sondern vielmehr ausschließlich etwas über das gebrochene Herz des Täters selbst aussagen (in diesem Zusammenhang sehr lesenswert Hirigoyen, Die Masken der Niedertracht, 20. Auflage 2020).

g) Bewusstsein für zwischenmenschliche Kommunikation: „Gewaltfreie Kommunikation“

Die „Gewaltfreie Kommunikation“ ist eine Kommunikationsmethode nach Marshall B. Rosenberg, der sich selbst durch seine Berührungen mit dem Buddhismus für einen achtsameren Umgang der Menschen untereinander einsetzen wollte. Zentral ist (auch) in dieser Kommunikation ein gesteigertes Bewusstsein für mich selbst, meine Gefühle und Bedürfnisse und mein Gegenüber und seine Gefühle und Bedürfnisse. Mit dieser Achtsamkeit können wir durch die Masken der Härte und Beleidigung hindurchblicken, die uns oberflächlich in unserem Hater begegnet. 

Autor: Benedikt Leven

Benedikt Leven hat Rechtswissenschaft studiert und promoviert an der Universität Passau bei Professor von Lewinski zu Hate-Speech und Fake-News in ihrer Bedeutung für den öffentlichen Diskurs der Demokratie. Das Thema „Cybermobbing“ interessiert ihn, weil es so nah mit der digitalen Gewalt verwandt ist, die sich gegen die öffentliche Meinungsbildung richtet. Für das Wintertreffen von Colored Glasses im Januar 2021 hat er einen Workshop zu diesem Thema konzipiert und den Teilnehmenden so wissenschaftliche Perspektiven darauf nähergebracht.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Benedikt Leven!

Seinen Lebenslauf, seine Publikationshistorie und seine Kontaktdaten findet ihr hier auf der Webseite der Universität Passau.

Ihr möchtet mehr über das Thema „Cybermobbing“ erfahren? Den nächsten Teil der Reihe findet ihr ab dem 27.02.2021 hier auf unserem Blog.

Cybermobbing
Erwachsene Person erklärt Kind etwas am Computer

Praktische Ansätze zur Vermeidung von Cybermobbing im Schulkontext:

1. Auf allgemein-gesellschaftlicher Ebene
  • Aufklärung über die tatsächlichen Hintergründe der Online-Kommunikation (siehe hier), Stichwort: Medienkompetenz.
  • Mehr sichtbare Zivilcourage im Netz. Das Netzwerk „ichbinhier“ etwa setzt hier bereits wertvolle Zeichen.
2. Auf unmittelbar befasster Aufsichtspersonen-Ebene (Lehrer, Eltern und sonstige Aufsichtspersonen)
  • Klare Ansagen und Regeln und frühe Intervention auf Seiten der Lehrer, Eltern und sonstigen Aufsichtsverantwortlichen können helfen (vgl. nur Katzer, Cybermobbing, 2014, S. 88 f., 148 ff.).
    • Konsequenter Umgang mit Cybermobbing-Fällen kann auch für die Zukunft präventiv wirken.
    • Für die Arbeit an Schulen mögen insbesondere auch die weiterführenden Hinweise für das Präventionsmanagement an Schulen hilfreich sein (Katzer, Cybermobbing, 2014, S. 187 ff.).
  • Kinder und Jugendliche sind für die Konsequenzen ihres Verhaltens zu sensibilisieren, Lembke/Leipner, Zum Frühstück gibt’s Apps, 2. Aufl. 2020, S. 188.
3. Auf individueller potenzieller Opfer-Ebene (Schüler)

a) Achtsamkeit und Zurückhaltung im eigenen öffentlich wahrnehmbaren Auftreten

  • Allgemein ist Achtsamkeit und Zurückhaltung im Netz (und auch bei allem, was seinen Weg ins Netz noch finden könnte) geboten. 
  • Insbesonders „reizende“ (Nick-)Namen oder „entblößte“ (Selbst-)Darstellungen sind absolut zu vermeiden (Stichwort: „Cybergrooming“).

Der Fall um Amanda Todd, aber auch andere tragische Geschichten, die im Suizid des Mobbing-Opfers endeten, kursieren durch das Netz (siehe hierzu Katzer, Cybermobbing, 2014, S. 16 f.) und veranschaulichen auf traurige Art und Weise die möglichen Folgen von in die digital vermittelte Öffentlichkeit gelangten intimen Aufnahmen – die selbst in Produktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aufgegriffen wurden: „Netzangriff – der Film über Cybermobbing“ (SRW-Kindernetz) und „Homevideo“ (ARD).  

  • Aber auch sonst ist „Datensparsamkeit“ – nicht nur aus Datenschutzgesichtspunkten – wichtig (vgl. hierzu nur Lembke/Leipner, Zum Frühstück gibt’s Apps, 2. Aufl. 2020, S. 180 m.w.N.).

b) Forgive and forget

  • In der Wissenschaft gibt es einige Hinweise darauf, dass oftmals Rache als Handlungsmotiv für Hate-Speech ausschlaggebend ist (vgl. nur Katzer, Cybermobbing, 2014, S. 85 f. m.w.N.) – also besser: Verzeihen.
  • Provokante Beiträge eine Weile ignorieren und nicht durch unüberlegte Reaktionen weitere Reaktionen entfachen – besser: Vergessen.

Autor: Benedikt Leven

Benedikt Leven hat Rechtswissenschaft studiert und promoviert an der Universität Passau bei Professor von Lewinski zu Hate-Speech und Fake-News in ihrer Bedeutung für den öffentlichen Diskurs der Demokratie. Das Thema „Cybermobbing“ interessiert ihn, weil es so nah mit der digitalen Gewalt verwandt ist, die sich gegen die öffentliche Meinungsbildung richtet. Für das Wintertreffen von Colored Glasses im Januar 2021 hat er einen Workshop zu diesem Thema konzipiert und den Teilnehmenden so wissenschaftliche Perspektiven darauf nähergebracht.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Benedikt Leven!

Seinen Lebenslauf, seine Publikationshistorie und seine Kontaktdaten findet ihr hier auf der Webseite der Universität Passau.

Ihr möchtet mehr über das Thema „Cybermobbing“ erfahren? Den nächsten Teil der Reihe findet ihr ab dem 26.02.2021 hier auf unserem Blog.

Cybermobbing

Überblick über die einschlägige Rechtslage zur Bewältigung digitaler Gewalt:

Während zu Beginn des Internets auf seine Selbstregulierungskräfte vertraut wurde, bestehen heute schon zahlreiche einschlägige Rechtsnormen – so zum Beispiel:

  • UrhG 
  • TMG 
  • JMStV 
  • DSGVO und BDSG 

Hier soll das StGB, das KunstUrhG und seine internetspezifische Ergänzung durch das NetzDG im Fokus stehen. Wesentliche Tatbestände sind insbesondere:

  • §§ 185 ff. StGB: Wohl der Regelfall sind verbale herabsetzende Attacken und Darstellungen 
  • § 223 StGB: Massive psychische Folgen sind in zahlreichen Fällen sogar als Körperverletzung zu bewerten 
  • § 238 StGB: Bei anhaltendem „Hating“ kann womöglich selbst eine Nachstellung („Stalking“) vorliegen
  • §§ 240 f. StGB: Nötigungen und Bedrohungen sind denkbar
  • § 201 StGB: Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs kommen ebenso in Betracht
  • §§ 22, 33 KunstUrhG: Hochladen von Bildern ohne Einwilligung  
  • § 131 StGB: Online-Stellen von gefilmten Gewalttaten gegen Mitschüler 

Bei der Anwendung der Straftatbestände stellt sich in der Praxis das Problem, dass es sich im Kontext Cybermobbing oftmals um sehr junge Täter handelt (vgl. § 19 StGB und §§ 1 Abs. 1 und 2 und 3 JGG). 

Obschon auch eine zivilrechtliche Verfolgung in Betracht kommt, enden bislang in der Praxis also insgesamt nur wenige Fälle vor Gericht (Katzer, Cybermobbing, 2014, S. 74 f.).

Durch das NetzDG kommt es nun zwar verstärkt zur unmittelbaren Durchsetzung einiger Normen (vgl. § 1 Abs. 3 NetzDG) – also insbesondere zur Löschung rechtswidriger Inhalte – durch die jeweiligen Netzwerke, was für Mobbing-Betroffene auf den ersten Blick eine gute Nachricht zu sein scheint. Jedoch werden in der Rechtswissenschaft immer wieder ernsthafte Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des NetzDG geäußert (Stichworte: Angst vor „Overblocking“ und Gefährdung der Meinungsfreiheit) – und auch „Reparaturversuche“ des NetzDG scheinen reihum unter keinem guten Stern zu stehen, da wirkliche Abhilfe ausbleibt.

Ethische Fragen im Zusammenhang der Durchführung von Prüf- und Löschpflichten im Netz werden in aufrüttelnder Weise in dem Film „The Cleaners“ aufgeworfen.

Auch vor dem Hintergrund, dass im Übrigen weder der frühere Rundfunkstaatsvertrag, noch der neue Medienstaatsvertrag, der insoweit nur journalistische Inhalte betrifft, digitaler Gewalt im Netz hinreichend begegnen, ist weiterhin ein allgemeiner Ruf nach angemessener(er) Regulierung vernehmbar. 

Denn: Hate-Speech ist mittlerweile als gesamtgesellschaftliches Phänomen anzusehen und mit dem Strafrecht kann in unserer pluralistischen Gesellschaft auf Dauer keine Einigkeit über die Spielregeln des verbalen Austauschs im Netz erzwungen werden.

Bei der juristischen Bewältigung des Problems scheint dem liberalen Rechtsstaat zum Verhängnis zu werden, dass sich die durch ihn lang erkämpfte „Freiheit“ – die hier nicht kritisiert oder in Abrede gestellt werden soll – vor jeder inhaltlichen Bewertung bestimmter Äußerungsformen und -praktiken verschließt, soweit sie nicht strafrechtliche Tatbestände erfüllen. Sowohl für Lügen (Stichwort: fake-news) als auch für Gemeinheiten fehlt dem offenen modernen Staat ein durchsetzungsfähiger ethischer Maßstab. Das war lange Zeit kein Problem. Doch die in der besonderen Sphäre der Online-Umgebung entstehenden Ballungen der „freien“ Wort-, Sprach- und Videobeiträge führt zu einer besonderen „Macht durch Masse“, für die bislang noch Antworten fehlen.

Autor: Benedikt Leven

Benedikt Leven hat Rechtswissenschaft studiert und promoviert an der Universität Passau bei Professor von Lewinski zu Hate-Speech und Fake-News in ihrer Bedeutung für den öffentlichen Diskurs der Demokratie. Das Thema „Cybermobbing“ interessiert ihn, weil es so nah mit der digitalen Gewalt verwandt ist, die sich gegen die öffentliche Meinungsbildung richtet. Für das Wintertreffen von Colored Glasses im Januar 2021 hat er einen Workshop zu diesem Thema konzipiert und den Teilnehmenden so wissenschaftliche Perspektiven darauf nähergebracht.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Benedikt Leven!

Seinen Lebenslauf, seine Publikationshistorie und seine Kontaktdaten findet ihr hier auf der Webseite der Universität Passau.

Ihr möchtet mehr über das Thema „Cybermobbing“ erfahren? Den nächsten Teil der Reihe findet ihr ab dem 25.02.2021 hier auf unserem Blog.