Cybermobbing
Erwachsene Person erklärt Kind etwas am Computer

Praktische Ansätze zur Vermeidung von Cybermobbing im Schulkontext:

1. Auf allgemein-gesellschaftlicher Ebene
  • Aufklärung über die tatsächlichen Hintergründe der Online-Kommunikation (siehe hier), Stichwort: Medienkompetenz.
  • Mehr sichtbare Zivilcourage im Netz. Das Netzwerk „ichbinhier“ etwa setzt hier bereits wertvolle Zeichen.
2. Auf unmittelbar befasster Aufsichtspersonen-Ebene (Lehrer, Eltern und sonstige Aufsichtspersonen)
  • Klare Ansagen und Regeln und frühe Intervention auf Seiten der Lehrer, Eltern und sonstigen Aufsichtsverantwortlichen können helfen (vgl. nur Katzer, Cybermobbing, 2014, S. 88 f., 148 ff.).
    • Konsequenter Umgang mit Cybermobbing-Fällen kann auch für die Zukunft präventiv wirken.
    • Für die Arbeit an Schulen mögen insbesondere auch die weiterführenden Hinweise für das Präventionsmanagement an Schulen hilfreich sein (Katzer, Cybermobbing, 2014, S. 187 ff.).
  • Kinder und Jugendliche sind für die Konsequenzen ihres Verhaltens zu sensibilisieren, Lembke/Leipner, Zum Frühstück gibt’s Apps, 2. Aufl. 2020, S. 188.
3. Auf individueller potenzieller Opfer-Ebene (Schüler)

a) Achtsamkeit und Zurückhaltung im eigenen öffentlich wahrnehmbaren Auftreten

  • Allgemein ist Achtsamkeit und Zurückhaltung im Netz (und auch bei allem, was seinen Weg ins Netz noch finden könnte) geboten. 
  • Insbesonders „reizende“ (Nick-)Namen oder „entblößte“ (Selbst-)Darstellungen sind absolut zu vermeiden (Stichwort: „Cybergrooming“).

Der Fall um Amanda Todd, aber auch andere tragische Geschichten, die im Suizid des Mobbing-Opfers endeten, kursieren durch das Netz (siehe hierzu Katzer, Cybermobbing, 2014, S. 16 f.) und veranschaulichen auf traurige Art und Weise die möglichen Folgen von in die digital vermittelte Öffentlichkeit gelangten intimen Aufnahmen – die selbst in Produktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aufgegriffen wurden: „Netzangriff – der Film über Cybermobbing“ (SRW-Kindernetz) und „Homevideo“ (ARD).  

  • Aber auch sonst ist „Datensparsamkeit“ – nicht nur aus Datenschutzgesichtspunkten – wichtig (vgl. hierzu nur Lembke/Leipner, Zum Frühstück gibt’s Apps, 2. Aufl. 2020, S. 180 m.w.N.).

b) Forgive and forget

  • In der Wissenschaft gibt es einige Hinweise darauf, dass oftmals Rache als Handlungsmotiv für Hate-Speech ausschlaggebend ist (vgl. nur Katzer, Cybermobbing, 2014, S. 85 f. m.w.N.) – also besser: Verzeihen.
  • Provokante Beiträge eine Weile ignorieren und nicht durch unüberlegte Reaktionen weitere Reaktionen entfachen – besser: Vergessen.

Autor: Benedikt Leven

Benedikt Leven hat Rechtswissenschaft studiert und promoviert an der Universität Passau bei Professor von Lewinski zu Hate-Speech und Fake-News in ihrer Bedeutung für den öffentlichen Diskurs der Demokratie. Das Thema „Cybermobbing“ interessiert ihn, weil es so nah mit der digitalen Gewalt verwandt ist, die sich gegen die öffentliche Meinungsbildung richtet. Für das Wintertreffen von Colored Glasses im Januar 2021 hat er einen Workshop zu diesem Thema konzipiert und den Teilnehmenden so wissenschaftliche Perspektiven darauf nähergebracht.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Benedikt Leven!

Seinen Lebenslauf, seine Publikationshistorie und seine Kontaktdaten findet ihr hier auf der Webseite der Universität Passau.

Ihr möchtet mehr über das Thema „Cybermobbing“ erfahren? Den nächsten Teil der Reihe findet ihr ab dem 26.02.2021 hier auf unserem Blog.

Cybermobbing

Überblick über die einschlägige Rechtslage zur Bewältigung digitaler Gewalt:

Während zu Beginn des Internets auf seine Selbstregulierungskräfte vertraut wurde, bestehen heute schon zahlreiche einschlägige Rechtsnormen – so zum Beispiel:

  • UrhG 
  • TMG 
  • JMStV 
  • DSGVO und BDSG 

Hier soll das StGB, das KunstUrhG und seine internetspezifische Ergänzung durch das NetzDG im Fokus stehen. Wesentliche Tatbestände sind insbesondere:

  • §§ 185 ff. StGB: Wohl der Regelfall sind verbale herabsetzende Attacken und Darstellungen 
  • § 223 StGB: Massive psychische Folgen sind in zahlreichen Fällen sogar als Körperverletzung zu bewerten 
  • § 238 StGB: Bei anhaltendem „Hating“ kann womöglich selbst eine Nachstellung („Stalking“) vorliegen
  • §§ 240 f. StGB: Nötigungen und Bedrohungen sind denkbar
  • § 201 StGB: Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs kommen ebenso in Betracht
  • §§ 22, 33 KunstUrhG: Hochladen von Bildern ohne Einwilligung  
  • § 131 StGB: Online-Stellen von gefilmten Gewalttaten gegen Mitschüler 

Bei der Anwendung der Straftatbestände stellt sich in der Praxis das Problem, dass es sich im Kontext Cybermobbing oftmals um sehr junge Täter handelt (vgl. § 19 StGB und §§ 1 Abs. 1 und 2 und 3 JGG). 

Obschon auch eine zivilrechtliche Verfolgung in Betracht kommt, enden bislang in der Praxis also insgesamt nur wenige Fälle vor Gericht (Katzer, Cybermobbing, 2014, S. 74 f.).

Durch das NetzDG kommt es nun zwar verstärkt zur unmittelbaren Durchsetzung einiger Normen (vgl. § 1 Abs. 3 NetzDG) – also insbesondere zur Löschung rechtswidriger Inhalte – durch die jeweiligen Netzwerke, was für Mobbing-Betroffene auf den ersten Blick eine gute Nachricht zu sein scheint. Jedoch werden in der Rechtswissenschaft immer wieder ernsthafte Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des NetzDG geäußert (Stichworte: Angst vor „Overblocking“ und Gefährdung der Meinungsfreiheit) – und auch „Reparaturversuche“ des NetzDG scheinen reihum unter keinem guten Stern zu stehen, da wirkliche Abhilfe ausbleibt.

Ethische Fragen im Zusammenhang der Durchführung von Prüf- und Löschpflichten im Netz werden in aufrüttelnder Weise in dem Film „The Cleaners“ aufgeworfen.

Auch vor dem Hintergrund, dass im Übrigen weder der frühere Rundfunkstaatsvertrag, noch der neue Medienstaatsvertrag, der insoweit nur journalistische Inhalte betrifft, digitaler Gewalt im Netz hinreichend begegnen, ist weiterhin ein allgemeiner Ruf nach angemessener(er) Regulierung vernehmbar. 

Denn: Hate-Speech ist mittlerweile als gesamtgesellschaftliches Phänomen anzusehen und mit dem Strafrecht kann in unserer pluralistischen Gesellschaft auf Dauer keine Einigkeit über die Spielregeln des verbalen Austauschs im Netz erzwungen werden.

Bei der juristischen Bewältigung des Problems scheint dem liberalen Rechtsstaat zum Verhängnis zu werden, dass sich die durch ihn lang erkämpfte „Freiheit“ – die hier nicht kritisiert oder in Abrede gestellt werden soll – vor jeder inhaltlichen Bewertung bestimmter Äußerungsformen und -praktiken verschließt, soweit sie nicht strafrechtliche Tatbestände erfüllen. Sowohl für Lügen (Stichwort: fake-news) als auch für Gemeinheiten fehlt dem offenen modernen Staat ein durchsetzungsfähiger ethischer Maßstab. Das war lange Zeit kein Problem. Doch die in der besonderen Sphäre der Online-Umgebung entstehenden Ballungen der „freien“ Wort-, Sprach- und Videobeiträge führt zu einer besonderen „Macht durch Masse“, für die bislang noch Antworten fehlen.

Autor: Benedikt Leven

Benedikt Leven hat Rechtswissenschaft studiert und promoviert an der Universität Passau bei Professor von Lewinski zu Hate-Speech und Fake-News in ihrer Bedeutung für den öffentlichen Diskurs der Demokratie. Das Thema „Cybermobbing“ interessiert ihn, weil es so nah mit der digitalen Gewalt verwandt ist, die sich gegen die öffentliche Meinungsbildung richtet. Für das Wintertreffen von Colored Glasses im Januar 2021 hat er einen Workshop zu diesem Thema konzipiert und den Teilnehmenden so wissenschaftliche Perspektiven darauf nähergebracht.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Benedikt Leven!

Seinen Lebenslauf, seine Publikationshistorie und seine Kontaktdaten findet ihr hier auf der Webseite der Universität Passau.

Ihr möchtet mehr über das Thema „Cybermobbing“ erfahren? Den nächsten Teil der Reihe findet ihr ab dem 25.02.2021 hier auf unserem Blog.

Cybermobbing

Einführung in die sozialwissenschaftlichen Hintergründe der Online-Sphäre, in der sich Hate-Speech und andere Formen digitaler Gewalt entfalten:

Was im Internet konkret an Cybermobbing geschieht und nun in den Blick genommen werden soll, ist – jeweils für sich betrachtet – eine bestimmte Art der „Kommunikation“, soll heißen: Die Übermittlung einer Nachricht von einem oder mehreren Sendern zu einem oder mehreren Empfängern (vgl. Röhner/Schütz, Psychologie der Kommunikation, 3. Aufl. 2020, S. 7 m.w.N. – auch die folgenden Kategorien der Kommunikation sind im Wesentlichen diesem Werk entlehnt).

Was unterscheidet diese digital vermittelte Kommunikation von bisheriger Kommunikation?

Im Rahmen der nicht digital vermittelten Kommunikation war im Ergebnis stets prägend, dass verbale Angriffe privater Einzelakteure in aller Regel eine sehr überschaubare Wirkkraft hatten – oder in ihrer destruktiven Macht jedenfalls recht leicht wieder „eingefangen“ werden konnten:

Bei (alltäglicher) „Direktkommunikation“ – zwischen einer überschaubaren Anzahl von Individuen oder auch in größeren Menschenansammlungen oder gar thematisch konzentrierten Versammlungen – hatte der einzelne Wortbeitrag eine natürlicherweise eingeschränkte Reichweite. Außerdem war durch den meist klaren sachlichen Kontext und die in aller Regel mögliche Konfrontation mit Gegenansichten eine gewisse „Sittlichkeit“ gegeben. 

Aber auch im Rahmen der klassischen Medienkommunikation, die eine weitaus größere Reichweite hatte, wirkten auf Sorgfaltspflichten eingeschworene „Gatekeeper“ für die Filterung oder zumindest die Einbettung sprachlicher Ausbrüche. 

Dies hat sich in der digital vermittelten Kommunikation verändert.

Zwar gibt es auch hier Wege zur direkten Individualkommunikation (etwa per Mail oder Individualchat), die weiterhin ähnliche Merkmale aufweisen wie die bisherige Direktkommunikation (s.o.).

Doch besonders kritisch ist, was auf Weblogs, in Foren und – allen voran – auf sozialen Netzwerken geschieht:

Jede(r) Einzelne kann dort Beiträge leisten und dabei ein weltweit verstreutes Massenpublikum erreichen. Während Privates zunehmend durch die Kultur des Teilens, Postens und Likens öffentlich (und damit verstärkt einsehbar und angreifbar) wird, führt die weitverbreitete Anonymität bzw. die Möglichkeit zur Täuschung über die eigene Identität zu Empathie-Schwund, Enthemmung und Machtungleichgewichten (vgl. nur den durch John Suler beschriebenen „Online-Disinhibition“-Effekt) – bei fehlendem Bewusstsein für die potenzielle Strafbarkeit des eigenen Verhaltens gerade unter Jugendlichen (Katzer, Cybermobbing, 2014, S. 15).

Einmal offenbarte Fehltritte oder ihre hämische Verwertung sind nachträglich kaum aus dem – „durchsuchbaren“ – Netz zu bekommen, das wahrlich „nichts vergisst“: Korrigierende Eingriffe sind praktisch kaum durchführbar (vgl. zu einem umständlichen Ansatz des Rechts auf Vergessen Googles Antragsformular zur Entfernung personenbezogener Daten). Und überhaupt scheinen „Ordner“ mit schlichtenden Funktionen an wesentlichen Stellen noch gänzlich zu fehlen. Vielmehr werden durch die Geschäftsmodelle der zentralen vermittelnden Akteure (soziale Netzwerke) „Ausraster“ sogar noch befördert, da gerade provozierende Beiträge Aufmerksamkeit auf sich ziehen und so den „Marktwert“ der konkreten Anzeige erhöhen (vgl. nur die insoweit wohl bewusst provokante Netflix-Produktion „The Social Dilemma“).

Dadurch entsteht eine ganz neue, völlig unüberschaubare Dynamik: Jeder kann jeden aus allen Teilen der Welt jederzeit – und durch technische Hilfsmittel verstärkt – regelrecht mit Cybermobbing „bombardieren“ (Stichwort: Shitstorm). 

Autor: Benedikt Leven

Benedikt Leven hat Rechtswissenschaft studiert und promoviert an der Universität Passau bei Professor von Lewinski zu Hate-Speech und Fake-News in ihrer Bedeutung für den öffentlichen Diskurs der Demokratie. Das Thema „Cybermobbing“ interessiert ihn, weil es so nah mit der digitalen Gewalt verwandt ist, die sich gegen die öffentliche Meinungsbildung richtet. Für das Wintertreffen von Colored Glasses im Januar 2021 hat er einen Workshop zu diesem Thema konzipiert und den Teilnehmenden so wissenschaftliche Perspektiven darauf nähergebracht.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Benedikt Leven!

Seinen Lebenslauf, seine Publikationshistorie und seine Kontaktdaten findet ihr hier auf der Webseite der Universität Passau.

Ihr möchtet mehr über das Thema „Cybermobbing“ erfahren? Den nächsten Teil der Reihe findet ihr ab dem 24.02.2021 hier auf unserem Blog.

Cybermobbing
Cybermobbing

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Cybermobbing liegt uns bei Colored Glasses sehr am Herzen – erst vor kurzem haben wir einen digitalen Workshop zu diesem Thema entwickelt, um auch in Zeiten von Social Distancing und Online-Unterricht den Austausch im Klassenraum hierzu zu fördern. Aber wie lässt sich Cybermobbing überhaupt definieren? Wie sehen sozialwissenschaftliche und rechtliche Hintergründe aus und welche Ansätze gibt es zur Vermeidung und Bewältigung von Cybermobbing? Das und mehr erklärt Benedikt Leven, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Passau, in den kommenden Tagen auf unserem Blog. Wir starten heute mit seiner Einführung in das Thema:

Cybermobbing – eine wissenschaftliche Einführung

Es sind zwei Grundformen digitaler Gewalt zu unterscheiden:

Zum einen gibt es im Netz verbale Attacken, die gegen den öffentlichen Diskurs gerichtet sind, und zum anderen Hate-Speech, die sich gegen private Rechtsgüter, also gegen konkrete „echte“ natürliche Personen und ihre Integrität richtet. 

Letztere Form der digitalen Gewalt wird oftmals „Cybermobbing“ genannt – vor allem in dem für „Colored Glasses“ maßgeblichen Kontext um Jugendliche in der Schule. Sie soll daher den Schwerpunkt der folgenden Ausführungen bilden – auch wenn dadurch freilich nicht der Eindruck vermittelt werden soll, sie sei die ursprüngliche oder stets typische Ausprägung digitaler Gewalt. 

Was genau ist „Cybermobbing“?

Während in der Wissenschaft verschiedene Definitionsansätze vertreten werden, sollen hier einige maßgebliche Punkte genügen (vgl. Tokunaga, Following you home from school, 2010, Computers in Human Behavior, 26, 277-287; ferner Fawzi, Cyber-Mobbing, 2. Aufl. 2015): 

  • Individuen oder Gruppen als „Täter“
  • …übermitteln aggressive bzw. feindselige Botschaften…
    • „Sprachliche Gewalt“ oder „psychische Gewalt“ oftmals als Schlagworte: Demütigungen, Herabsetzungen, Drohungen, Gerüchte
  • …um Schaden oder Unbehagen zu bereiten… 
  • …mittels elektronischer bzw. digitaler Medien

Autor: Benedikt Leven

Benedikt Leven hat Rechtswissenschaft studiert und promoviert an der Universität Passau bei Professor von Lewinski zu Hate-Speech und Fake-News in ihrer Bedeutung für den öffentlichen Diskurs der Demokratie. Das Thema „Cybermobbing“ interessiert ihn, weil es so nah mit der digitalen Gewalt verwandt ist, die sich gegen die öffentliche Meinungsbildung richtet. Für das Wintertreffen von Colored Glasses im Januar 2021 hat er einen Workshop zu diesem Thema konzipiert und den Teilnehmenden so wissenschaftliche Perspektiven darauf nähergebracht.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Benedikt Leven!

Seinen Lebenslauf, seine Publikationshistorie und seine Kontaktdaten findet ihr hier auf der Webseite der Universität Passau.

Ihr möchtet mehr über das Thema „Cybermobbing“ erfahren? Den nächsten Teil der Reihe findet ihr ab dem 23.02.2021 hier auf unserem Blog.

Tisch mit Laptops

Wir freuen uns sehr darüber, dass wir 2020 wieder von „Demokratie leben!“ gefördert wurden. Dieses Mal kam die Förderung direkt von dem Lokalen Aktionsplan (LAP) der Stadt Chemnitz.

Durch die Förderung haben wir die Digitalisierung von Colored Glasses Workshops in drei neuen Themengebieten aktiv voranbringen können. So sind in den letzten Monaten digitale Workshops zu den Themen „Cybermobbing“, „Diskriminierungsformen“ und „gewaltfreie Kommunikation“ entstanden. Am 19. Dezember 2020 haben wir den Workshop zum Thema „Cybermobbing“ mit einer bunten und engagierten Gruppe von Ehrenamtlichen getestet. Das Feedback wird nun eingearbeitet und das Konzept bei weiteren Workshops ausprobiert. Wir freuen uns sehr auf die hoffentlich bald stattfindenden Workshops mit Schüler*innen und auf einen spannenden Austausch zu diesen wichtigen Themen. 

Durch die Förderung konnten wir außerdem eine digitale „Training of Trainers“-Schulung organisieren. Diese haben wir am 21. und 22. November 2020 mit engagierten Ehrenamtlichen von Colored Glasses und Kulturcampus durchgeführt. Die Internationalität des Workshops hat diesen zu einem ganz besonderen gemacht. So kamen die Teilnehmer*innen aus Deutschland, Tschechien, Italien, Mexiko, Chile, Bangladesch, Indien, Ägypten und Polen. Ungeachtet der Zeitverschiebungen waren alle mit sehr viel Spaß bei der Sache und haben sich mit viel Engagement eingebracht. 

Viele weitere Eindrücke von unseren Projekten findest du auf unserem Instagram-Account @coloredglasses_yfu in unserem Story-Highlight „Projekte“ sowie unter den Hashtags #demokratieleben #demokratielebenchemnitz und #toleranzbotschafter.

2019 wurde unser Projekt „Building Bridges“ durch „Demokratie leben!“ in Eichsfeld gefördert. Mehr dazu kannst du in diesem Blogbeitrag lesen.

MITWIRKEN - Das Hertie-Förderprogramm für gelebte Demokratie

Das Hertie-Förderprogramm für gelebte Demokratie: Colored Glasses ist mit am Start!

Aus über 130 Bewerbungen von vielen interessanten, durchdachten und qualifizierten Projektideen wurde Colored Glasses von der Hertie-Stiftung ausgewählt. Wir haben überzeugt! Damit wurde Colored Glasses für die Teilnahme am Crowdfunding-Contest von MITWIRKEN – dem Hertie-Förderprogramm für gelebte Demokratie – ausgewählt. Herzlichen Glückwunsch!

Wie geht’s jetzt weiter? 

KICK-OFF

Ein gemeinsames Auftakt-Meeting wird am Donnerstag, den 4. Februar 2021 von 15:00 bis 18:30 Uhr stattfinden. Dort stellt die Stiftung euch das Team und die Qualifizierungsangebote vor und erklärt die Abläufe und Spielregeln des Crowdfunding-Contests. 

QUALIFIZIERUNG & VORBEREITUNG

Danach starten wir gemeinsam durch! Rund zwei Monate bietet die Stiftung Vorträge, Workshops und Einzelcoachings an, damit wir das Handwerkszeug für Crowdfunding erlernen und eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne auf die Beine stellen können. 

AUSTAUSCH & VERNETZUNG

Auch wird es die Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und zum Austausch unter den beteiligten Projekten geben.

Außerdem sind gemeinsame digitale Brown-Bag-Meetings für informelles Beisammensein und gemeinsames Essen geplant. Das Highlight? Den Brownbag dazu liefert die Stiftung!

Hier findet ihr Informationen zu den Vortrags- und Workshop-Reihen, zu denen auch ihr euch anmelden könnt:

Falls ihr schon jetzt ein wenig in das Thema Crowdfunding eintauchen wollt, haben wir für euch einige Links zusammengestellt:

Ihr habt Lust, gemeinsam mit uns dieses Projekt voranzutreiben? Dann meldet euch bei uns: vorstand@coloredglasses.de

Wir freuen uns auf euch!

Einheitspreis 2020 - Logo

Im vergangenen Herbst hat Colored Glasses einen dritten Platz beim Einheitspreis 2020 erzielt. Mit diesem Preis hat die Bundeszentrale für politische Bildung in diesem Jahr Projekte prämiert, die „in besonderem Maße dazu beitragen, gesellschaftliche Hürden zu überwinden und ein solidarischen Miteinander zu organisieren.“ Im Interview mit der Jury des Einheitspreises sprechen wir über Solidarität, die Deutsche Einheit und Zukunftspläne von Colored Glasses:

Sie wurden vom Publikum und der Jury zu einem der 30 Preistragenden des Einheitspreises 2020 gewählt. Was bedeutet Ihnen das?
Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung. Zu den 30 Preistragenden zu gehören, betont den Wert, den andere in Colored Glasses sehen. Es bestätigt uns in unserer Bildungsarbeit und darin, diese unbedingt fortzuführen und weiterzuentwickeln.

Wie haben Sie das Thema Ost-West bzw. Solidarität in Ihrem Projekt aufgegriffen? 
Das Thema Ost-West wird bei Colored Glasses nicht explizit aufgegriffen – schließlich ist das Denken in Kategorien und vordefinierten Mustern etwas, das Colored Glasses grundsätzlich aufbrechen möchte. Unser Beitrag zum weiteren Zusammenwachsen Deutschlands besteht darin, für die Einzigartigkeit einer jeden Person zu sensibilisieren, für ihre ganz individuelle Prägung, Identität und Wünsche. Im Bewusstsein für Vielfalt und im Erkennen der damit verbundenen Chancen werben wir für ein solidarisches Miteinander.

Was bedeutet das Thema „Deutsche Einheit“ bzw. Solidarität im Jahr 2020 für Sie? 
Colored Glasses ist ein Programm, das nach der Wende entstand. Die darin involvierten und engagierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind im vereinten Deutschland aufgewachsen. Aus dieser Perspektive heraus betrachten wir die „Deutsche Einheit“ als fortlaufenden Prozess, in dem Unterschiede und Konflikte nicht nur anhand der Dimension „Ost-West“ festzumachen sind, sondern auf vielen Ebenen bestehen, und in dem gegenseitiges Verständnis aufzubauen ist.
Solidarität ist einer der zentralen Europäischen Werte, die wir in unserem Programm vermitteln. Die Bedeutung der Solidarität füreinander ist durch Covid-19 noch deutlicher geworden. Colored Glasses konnte daher zwar keine Workshops mehr durchführen, hat stattdessen aber seine Bestrebungen forciert, sein Bildungsangebot zu digitalisieren. 

Wo gibt es aus Ihrer Sicht nach wie vor Probleme zwischen Ost und West und in der Gesamtgesellschaft?
Fehlender Dialog und ein mangelndes Verständnis für die Perspektiven von Mitmenschen ist in vielen Fällen die Ursache von gesamtgesellschaftlichen Problemen. Colored Glasses setzt sich dafür ein, mit Workshop-Teilnehmenden Lösungen und Handlungsstrategien zu erarbeiten und Kommunikationswerkzeuge aufzuzeigen.

Wie können Sie dazu beitragen, dem entgegen zu wirken? 
Colored Glasses Workshops zielen darauf ab, Teilnehmenden ein besseres Verständnis von Kultur, Zugehörigkeit und Identität zu vermitteln. Darüber hinaus werden interkulturelle Kommunikation und Kooperation gefördert sowie Vielfalt und Chancengleichheit.

Haben Sie schon Pläne für das Preisgeld? 
Das Preisgeld wird Colored Glasses dabei unterstützen, seine Bestrebungen für die Digitalisierung von Workshops zu realisieren und diese ortsunabhängig durchzuführen, damit alle Interessierten zu den genannten Themen weitergebildet werden können.

Du möchtest mehr über den Erfolg von Colored Glasses beim Einheitspreis 2020 erfahren? Weitere Informationen findest Du hier auf unserem Blog.

Logo von startsocial: "hilfe für helfer"

Zur Digitalisierung unseres Bildungsangebots wird Colored Glasses im Rahmen eines Startsocial-Stipendiums von zwei Expert*innen unterstützt.

Demonstrant*innen mit "Refugees Welcome"-Schild

Flucht und Vertreibung sowie der Umgang mit geflüchteten Menschen gehören zu den Themen, die in letzter Zeit in den Hintergrund geraten sind, keinesfalls jedoch an Relevanz verloren haben. Im Gegenteil – besonders jetzt besteht die Gefahr, dass Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten nicht nur Gewalt und Hunger, sondern noch zusätzlich dem Virus ausgesetzt sind. Gleichzeitig werden in Deutschland Unterkünfte für Geflüchtete zu Hotspots der Epidemie. Mehr als genug Gründe gab es daher für uns, sich nochmal genauer mit unserem Workshopkonzept zum Thema Flucht und Vertreibung auseinanderzusetzen.

So kam es dazu, dass ein Online-Auffrischungsseminar stattfand, bei dem sich unsere Colored-Glasses-Teamenden aus ganz Deutschland mit unserem sogenannten Fluchtkonzept auseinandersetzen konnten. Gastgeberinnen des Seminars waren Saskia Boiselle und Annika Taube, zwei bereits lang aktive Ehrenamtliche, die auch an der Erstellung des Fluchtkonzeptes maßgeblich beteiligt waren.

Wie können wir Fluchterfahrungen nachvollziehen?

Gemeinsam haben wir uns dabei tiefer auf das Thema eingelassen und sind als erstes selbst gedanklich den Weg nachgegangen, den viele Menschen noch vor einer Flucht aus der Heimat gehen müssen. Dabei merkt man schnell, wie wenig wir uns mit dem auseinandersetzen, was noch vor einer Flucht passiert – wie schwer es überhaupt ist, sich auf eine so ungewisse Reise zu machen, weg von Bekannten, Freund*innen oder gar Familienmitgliedern. Aber auch, wie wichtig unter solchen Umständen das Smartphone ist, das häufig zur einzigen Verbindung nach Hause wird.

Anschließend haben wir uns nochmal bewusst gemacht, wie vielfältig die Gründe für Flucht sind: Viel liest man von Krieg, Gewalt und Verfolgung in verschiedensten Teilen der Welt. Solche politischen Fluchtgründe machen aber nur einen Teil aus. Auch ökologische (z. B. Hungersnöte, Naturkatastrophen) sowie wirtschaftliche und gesellschaftliche Gründe (Armut, Perspektivlosigkeit) spielen eine wichtige Rolle und treiben Menschen häufig zur Flucht aus ihrer Heimatregion. Neben solchen sog. Push-Faktoren haben wir auch über Pull-Faktoren gesprochen – Faktoren, die Menschen zu einer Zielregion hinziehen, beispielsweise die Erwartung einer gewaltfreien Lebensumgebung sowie soziale und wirtschaftliche Sicherheit.

Leider sehen wir nach wie vor, dass Menschen auf der Flucht in Aufnahmeländern, darunter auch Deutschland, mit Ablehnung, Ausgrenzung und Gewalt konfrontiert werden. Zwar können wir die Situationen in Krisenregionen nicht kurzfristig verbessern – durchaus können wir aber einen Beitrag zur Inklusion und gegen Diskriminierung dieser Menschen leisten, indem wir in unseren Workshops Jugendlichen die Perspektiven geflüchteter Menschen näherbringen.

Wie diskutieren wir das Thema Flucht mit Jugendlichen richtig?

Entsprechend haben uns Saskia und Annika schließlich gezeigt, wie wir schon vorhandene Colored-Glasses-Module dafür nutzen können. So haben wir praktische Hinweise gesammelt, die bei Workshops zu beachten sind, und gelernt, wie wir im Workshop als Teamende eine positive Rolle einnehmen können. Eine wertvolle Grundeinstellung haben wir dabei darin gefunden, in unseren Workshops nicht über andere zu sprechen und zu urteilen, sondern stets einen reflektierten Austausch zum Thema Flucht und Vertreibung anregen zu wollen. Dazu gehört aber auch, Workshopteilnehmenden mit Fluchterfahrungen den Raum zu lassen, sich auszudrücken, und ihnen gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, sich zurückzuziehen.

Wie wollen wir Flucht zukünftig bei Colored-Glasses-Workshops integrieren?

Das gemeinsame Beisammensitzen mit Menschen, mit denen man ganz bestimmte Interessen und Ziele teilt, fehlte in den letzten Monaten vielen von uns. Umso mehr haben wir die Möglichkeit genossen, bei diesem aufschlussreichen Kurz-Online-Seminar zum Thema Flucht dabei zu sein und gemeinsam mit anderen CGler*innen für das Erreichen unserer gemeinsamen Ziele zu arbeiten. Der Umgang mit Flucht und Vertreibung spielt hierfür eine zentrale Rolle – daher möchten wir in naher Zukunft das Fluchtkonzept auch in unser allgemeines Workshop-Konzept integrieren und dem Thema damit den Raum geben, den es benötigt.

Autor: Marius Berger

Im Rahmen unseres Toleranzbotschafter*innen Projekt in Chemnitz sind drei Konzepte für Online Workshops entstanden, die wir in nächster Zeit testen werden. Seit Corona beschäftigt es uns sehr, wie wir so schnell wie möglich weiter junge Menschen erreichen können, auch ohne, dass wir persönlich präsent sind. Nicht nur, dass wir damit natürlich auf die notwendigen Hygienekonzepte von Schulen und die Sicherheit unserer Ehrenamtlichen eingehen: Online Workshops sind eine riesige Chance für Colored Glasses, um 1. auch endlegende Gegenden zu erreichen und 2. zukünftig kleinere Gruppen oder Einzelpersonen die Teilnahme an regional übergreifenden Workshops zu ermöglichen.

Am Wochenende vom 19.06. bis 21.06. haben sich dafür Trainer*innen von Colored Glasses sowie Kulturcampus getroffen und Konzepte für Online-Workshops für „Demokratie Leben Chemnitz“ erstellt. Diese Workshops sollen in Zukunft für Schulen verfügbar sein und über eine Online-Plattform gehalten werden. 

Das Hauptaugenmerkt lag dabei auf Konzepten im online Kontext. Unsere Simulationen wurden so angeglichen und verändert, dass sie im online funktionieren und den Teilnehmer*innen auch auf diese, für Colored Glasses neue Art und Weise, interaktive Workshops bieten. Neue Themen wurden generiert und mit bereits bestehenden Elementen verbunden. Folgende Konzepte stehen ab sofort zum Testen bereit:

  1. Online Diskriminierung
  2. Arten der Diskriminierung und 
  3. Gewaltfreie Online- Kommunikation

Ideen für eine neu Auflage verschiedener Simulationen ist ebenfalls bereits in Planung.