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Dorothea Schmidt

Meine erste Begegnung mit Colored Glasses hatte ich 2006.  

Ich war durch den Austausch meiner Kinder gerade erst wieder zu YFU zurückgekehrt und ungefähr zur gleichen Zeit durch glückliche Umstände in einem Projekt gelandet, das im Februar 2006 in Bonn eine Tagung durchführte – mit dem schönen Titel „Schüleraustausch: Auslaufmodell oder wichtiger denn je?“ Bei der Tagung kamen Lehrkräfte aus ganz Deutschland zusammen, der AJA (Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch, Anm. d. Red.) war beteiligt, damals vertreten durch Rita Stegen, und Julika Bake war gekommen, um Colored Glasses vorzustellen.  Rückblickend war das für mich also auch eine frühe und sehr schöne Begegnung mit zukünftigen YFU-Vorstandsmitgliedern.   

Ich kann mich gut erinnern, wie tief mich damals Julikas Präsentation beeindruckt hat. Seitdem ist Colored Glasses für mich ein wichtiger Teil der YFU-Arbeit.  

Eine indirekte Folge der genannten Tagung war dann meine Beteiligung an dem Projekt IKUS – Interkulturelles Lernfeld Schule – von 2009 bis 2011, in dem ich viele wichtige Erfahrungen an einer Kölner Hauptschule mit ca. 80 % Kindern aus Einwandererfamilien sammeln konnte. Ganz wesentlich war dabei die Chance, Colored-Glasses-Workshops in einer Hauptschule erproben zu können. Es gab damals erst wenige Erfahrungen dazu. Daher durfte ich an Jahrestreffen und Fortbildungen bei Colored Glasses teilnehmen und konnte miterleben – aus der Ferne, denn ich war bei den Workshops nicht dabei –, wie die Konzepte an die Bedürfnisse und Möglichkeiten dieser Schüler*innengruppe angepasst wurden. Ich erinnere mich sehr gern an die produktive Zusammenarbeit.   

In meinem Bericht für IKUS heißt es zu den Workshops an „meiner“ Schule: 

„Es ist hervorzuheben, dass die Durchführung der Workshops an sich schon den Charakter einer „interkulturellen“ Begegnung hatte. Ein Team, bestehend aus jungen Leuten mit hohen Bildungsabschlüssen und großem ehrenamtlichen Engagement, traf auf Hauptschüler aus einem schwierigen sozialen Umfeld. In ersten Gesprächen nach der Beendigung der Workshops wurde deutlich, dass allein die Begegnung  bestehende Stereotype und Vorurteile auf beiden Seiten infrage stellte.“ 

Weniger nüchtern war die Rückmeldung einer beteiligten Lehrerin: „Unsere Schüler*innen konnten nicht fassen, dass Abiturient*innen(!) so intensiv an ihnen interessiert waren, und dabei so nett, also ganz normal, waren.“ Bei den Teamer*innen wurden auf ganz ähnliche Weise Vorurteile zurecht gerückt.  

Seither habe ich die weitere Entwicklung bei Colored Glasses eher aus der Ferne, aber mit großem Interesse verfolgt. Ich bin immer noch sehr beeindruckt und hoffe, dass die nächsten 20 Jahre auch so gut verlaufen werden. 

Ganz herzliche Glückwünsche, 
Dorothea 

Dorothea Schmidt 
Austauschjahr 1967/68, Ohio, USA 
Zurzeit hinzugewähltes Mitglied im YFU-Vereinsrat

Ein herzliches Dankeschön an Dorothea Schmidt, die ihre Colored-Glasses-Geschichte anlässlich des 20. Jubiläums unseres Bildungsangebots geteilt hat!