Am 28. Januar 2026 nahmen 11 Colored-Glasses-Freiwillige an einem intensiven und erkenntnisreichen Online-Workshop mit der Diversitätstrainerin Dr. Lima Sayed teil. Im Mittelpunkt standen Antidiskriminierungsarbeit, Rassismus und die Frage, wie Lernprozesse gelingen können, wenn Themen emotional herausfordernd sind. Der Workshop bot den Teilnehmenden nicht nur theoretische Einordnungen, sondern auch hilfreiche Denkmodelle für den praktischen Umgang mit schwierigen Gesprächen. 

Zu Beginn führte Lima Sayed das Bild der Lernzone ein. Lernen geschieht oft dort, wo wir mit ungewohnten Gedanken oder Perspektiven konfrontiert werden und ein gewisses Maß an Unbehagen entsteht. Dieses Unbehagen muss jedoch nicht negativ sein: Zwischen Komfort und Überforderung liegt ein Übungsraum, in dem Entwicklung möglich wird. 

Wird dieser Raum verlassen und starke emotionale Reaktionen übernehmen, spricht man von einer Panikzone, in der das Lernen kaum noch möglich ist. Gerade bei sensiblen Themen wie Rassismus ist es daher wichtig, diese inneren Zustände wahrzunehmen und einzuordnen. 

Inhaltlich beschäftigte sich der Workshop mit einem vielschichtigen Verständnis von Rassismus. Es wurde deutlich, dass Rassismus nicht nur in offenen Beleidigungen oder bewusster Ausgrenzung sichtbar wird, sondern auf unterschiedlichen Ebenen wirkt. 

Darüber hinaus ging es um die Frage, warum Gespräche über Rassismus oft schwerfallen. Gefühle wie Scham, Angst vor Fehlern oder Sprachlosigkeit spielen dabei eine große Rolle. Das haben auch schon viele CG-Freiwillige in ihren eigenen Workshops erlebt.  

Der Workshop mit Dr. Lima Sayed bot den Colored-Glasses-Freiwilligen einen offenen Raum, um sich mit Rassismus und Antidiskriminierung auseinanderzusetzen und Perspektiven zu sammeln, wie sie in ihren eigenen Workshops mit kniffligen Gesprächen umgehen können. Es machte deutlich, dass Lernen die Bereitschaft braucht, sich mit sensiblen Themen auseinanderzusetzen und möglicherweise auch Unbehagen auszuhalten. Genau darin liegt die Grundlage für nachhaltiges Lernen und Bilden. 

Zum Abschluss möchten wir Lima herzlich danken. Der Workshop war sehr bereichernd und hat viele wichtige Impulse gesetzt. Besonders schön war, dass sie sich auch im Nachhinein viel Zeit genommen hat, um Fragen – vor allem im Bezug auf Colored Glasses – zu beantworten.

„Der Community Call war super interessant und ich freue mich, die neuen Impulse zu Rassismus und Vorurteile mit in den nächsten Colored Glasses Workshop zu nehmen. Lima hat eine tolle Atmosphäre zum gemeinsamen Lernen geschaffen!“, sagt Carina Neubauer (Koordinatorin der Region West). Die Teilnehmenden konnten viele neue Gedanken und Anregungen mitnehmen, um sie in die kommenden Workshops einfließen zu lassen.

Noch nicht genug gehabt?

5 Literatur-Tipps zum Weiterdenken:

  •      Weiße Helden im Film. Der »White Savior Complex« – Lima Sayed
  •      Wozu Rassismus – Aladin El-Mafaalani
  •      Think Again – Adam Grant
  •      Wie wir uns Rassismus beibringen – Gilda Sahebi
  •      Weiße Fragilität – Robin DiAngelo

Am Samstag, 25. Januar 2026 kamen Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Kontexten und Erfahrungen beim Internationalen Colored Glasses Community Call „Talk in Colors“ zusammen. Es war der zweite Call in diesem Format, der von Colored Glasses (CG) Ehrenamtlichen aus Paraguay und Deutschland gemeinsam organisiert wurde, um CG-Aktiven und -Interessierten aus dem globalen YFU-Netzwerk einen Raum zum gegenseitigen Kennenlernen, Austausch und zur Weiterbildung zu geben. Das Orga-Team freute sich sehr, 25 Teilnehmende aus 8 Ländern zu begrüßen. Argentinien, Paraguay, Deutschland, USA, Dänemark, Mexiko, Frankreich und China waren vertreten. 

Im Mittelpunkt des Calls stand diesmal ein Impuls von Philosophieprofessor Henry Escobar aus Kolumbien. In seiner Präsentation sprach er über die Bedeutung von Dialog, Imagination und Anerkennung und darüber, warum interkulturelle Bildung gerade im Zusammenhang mit Menschenrechten eine zentrale Rolle spielt. 

Dialogue, Imagination & Recognition 

Zu Beginn stellte er die These auf, dass politischer Diskurs stark von Bildern geprägt ist. Diese Bilder sind häufig gewaltvoll. Wenn wir jedoch verstehen, welche Bilder unseren Diskurs bestimmen und woher sie kommen, können wir lernen, diese Gewalt zu navigieren und bewusster mit ihr umzugehen. 

Ein zentraler Punkt ist die Imagination. Sie hilft uns, Realität anders zu sehen. Politik und Menschenrechte nehmen wir vor allem über Bilder wahr. Häufig führen diese dazu, dass wir andere Menschen schnell als Feinde sehen. Deshalb ist es wichtig, diese Bilder zu verstehen und Gewalt bewusst abzulehnen. Auch Ideologien sind Bilder davon, wie eine Gesellschaft aussehen könnte. Bei interkulturellen Unterschieden treffen solche Bilder aufeinander und stehen sich manchmal entgegen. Trotzdem haben wir am Ende dasselbe Ziel: ein gutes Leben für alle. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es mehr Empathie, Altruismus und Kommunikation. So kann interkultureller Dialog gestärkt werden. 

In der anschließenden Diskussion wurde ergänzt, dass es nicht nur um Bilder geht, da nicht alle Menschen Inhalte über Bilder gleichermaßen verstehen. Hier knüpft die Narrative Theory an: Die Geschichten, die wir uns selbst und anderen erzählen, formen unsere Realität. Narrative bestimmen, wie wir andere Menschen wahrnehmen und wie Konflikte entstehen. Offenheit gegenüber diesen Narrativen und ihrem Ursprung ist daher entscheidend. 

In diesem Zusammenhang wurde deutlich, warum die Erzählweise von Colored Glasses so wirkungsvoll ist. Narrative Theory kann gezielt in Workshops eingesetzt werden, um durch Bildung Perspektiven zu erweitern und Wahrnehmungen zu hinterfragen. 

Abschließend sprach Escobar über die Frage, wie sich diese Ansätze praktisch vermitteln lassen. Besonders wichtig sind dabei einfache, zugängliche Bilder, z.B. Fabeln. Sie stellen Situationen dar, die von allen verstanden werden können, auch von Kindern. Durch sie lernen Menschen, Situationen bewusst wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen. Fabeln verändern Narrative und Wahrnehmungen und öffnen so neue Perspektiven. 

Der Community Call hat deutlich gemacht, wie wichtig Austausch, Offenheit und gegenseitiges Verständnis in einer vielfältigen Welt sind. “Diese Calls erscheinen mir wichtig, weil sie Gemeinschaft schaffen und weil ein Netzwerk von Freiwilligen ständig wachsen sollte,” sagt Sandra (Program Coordinator YFU Paraguay), “Ich fand die Idee sehr gut, einen besonderen Gast einzuladen, der akademisches Wissen und Reflexion zur Interkulturalität einbringt, um weiterhin eine internationale Community von Lentes de Colores zu stärken.” 

Der Colored Glasses Vorstand sucht Verstärkung:

Unser langjähriges CG-Vorstandsmitglied Marius übernimmt ab diesem Jahr neue Aufgaben innerhalb des CG-Vorstands, weshalb wir Unterstützung in seinem bisherigen Arbeitsbereich, der ehrenamtlichen Koordi-Koordination, suchen.

Deine Aufgaben:

  • Koordination des Koordi-Teams
  • Wissensmanagement zu Koordi-Themen
  • Strategische Entwicklung von Colored Glasses

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ca. 2-3 Stunden pro Woche, flexibel einteilbar und bequem von zu Hause aus
  • 2x monatlich Calls (Team und Vorstand), 2x jährlich Präsenzwochenende
  • Zusammen mit 4-5 Vorstandsmitgliedern, als Teil des bundesweiten Teams
  • Ab sofort, für mindestens 1 Jahr

Dies und mehr Informationen zu deinem zukünftigen Ehrenamt findest du hier:

Colored Glasses wirkt! Was wir schon lange wussten, ist nun offiziell. Colored Glasses-Vorstand Hannes Wollanke und YFU-Mitarbeiterin Nina Rösch durften das PHINEO Wirkt Siegel für Colored Glasses entgegennehmen. Im November wurden 37 von über 100 Organisationen ausgezeichnet – wir dürfen nun bekannt geben, dass Colored Glasses dabei ist! 

Wenn junge Menschen jungen Menschen zuhören, Erfahrungen teilen und gemeinsam Perspektiven wechseln, entsteht etwas, das über einen einzelnen Workshop hinausgeht. In unseren Workshops schaffen Ehrenamtliche Räume, in denen Diskussionen über Vielfalt, Vorurteile und Diskriminierung möglich werden. Genau diese besondere Form der Demokratiestärkung hat überzeugt. Nicht nur uns, sondern auch PHINEO. 

PHIENALE Phineo Wirkt-Siegel-Verleihung Desinformation & Diskriminierung 2025 am 27. November 2025 im Publix in Berlin.
Foto: Phineo/Stefanie Loos

PHINEO prüft in einem mehrstufigen Analyseverfahren gemeinnützige Projekte, die sich wirksam gegen Diskriminierung und Desinformation einsetzen. Demokratie steht unter Druck. Gleichzeitig fehlt es Schulen oft an Zeit und Ressourcen, um Empathie, kritisches Denken und einen reflektierten Umgang mit Vorurteilen systematisch zu fördern. Genau hier setzt Colored Glasses an. Dies, unser Peer-to-Peer-Ansatz und vieles Weitere hat PHINEO überzeugt. 

Die Wirkung von Colored Glasses ist messbar: Allein in diesem Jahr konnten wir mit 55 Workshops zahlreiche Schüler*innen erreichen. Viele Teilnehmende berichten, dass sie neue Perspektiven gewonnen haben und sich künftig aktiver gegen Diskriminierung einsetzen möchten. Lehrkräfte buchen die Workshops wiederholt, und immer wieder werden ehemalige Teilnehmende selbst zu Ehrenamtlichen – ein Multiplikatoreffekt, der Reichweite und Wirkung stetig wachsen lässt. 

PHINEO hebt zudem die klare Vision und den langfristigen, systematischen Ansatz hervor, mit dem Colored Glasses gesellschaftliche Wirkung erzielen will. Die Ziele sind auf konkrete Verhaltensänderungen ausgerichtet und werden durch kontinuierliche Evaluation, Feedbackprozesse und Datenerhebungen begleitet. Qualitätssicherung spielt eine zentrale Rolle: Durch strukturierte Schulungen und Fortbildungen wird die hohe Qualität der Bildungsarbeit gesichert und weiterentwickelt. Ein weiterer großer Pluspunkt sind die starken personellen und organisatorischen Strukturen. Ehrenamtliche werden sorgfältig qualifiziert, begleitet und in klaren Rollen eingesetzt, was sowohl die Qualität der Workshops als auch das Wohlergehen der Engagierten stärkt.  

PHIENALE Phineo Wirkt-Siegel-Verleihung Desinformation & Diskriminierung 2025 am 27. November 2025 im Publix in Berlin.
Foto: Phineo/Stefanie Loos

Dass Colored Glasses das PHINEO Wirkt-Siegel erhalten hat, ist deshalb nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch eine Bestätigung der gemeinsamen Arbeit aller Ehrenamtlichen, Koordinator*innen und Unterstützer*innen. Das Siegel steht für Transparenz, Wirkungsorientierung und nachhaltiges Engagement. Es macht die Arbeit von Colored Glasses sichtbarer für Fördernde und Spender*innen und eröffnet neue Möglichkeiten, Demokratiebildung langfristig zu stärken. 

Deshalb gehört diese Auszeichnung allen, die Colored Glasses möglich machen: unseren Ehrenamtlichen, Koordinator*innen, Kooperationspartner*innen, Lehrkräften und natürlich den Schüler*innen. Gemeinsam zeigen wir, dass junge Menschen junge Menschen stärken können und dass Demokratiebildung wirkt.

Darauf sind wir stolz!

Liebe YFU- und Colored Glasses-Unterstützer*innen, 

endlich ist er da – der neue Jahresbericht von Colored Glasses! 

Es bewegt sich viel bei Colored Glasses (CG) und wir haben 2024 genutzt, um uns richtig gut aufzustellen: Mit einem ehrenamtlichen Team aus Deutschland und Österreich haben wir die Überarbeitung des Workshop-Handbuchs „Konzept 8.0“ erfolgreich abgeschlossen. Methoden, Hintergrundwissen und pädagogisch-didaktische Tipps und Tricks wurden auf den neuesten Stand gebracht.
Neben den bestehenden Themenschwerpunkten „Identität & Kultur“ und „Stereotype, Vorurteile & Diskriminierung“ gibt es nun auch Workshops zu „Menschenrechte & Soziale Verantwortung“. Dies trifft im YFU Netzwerk auf positive Resonanz – und Lehrkräfte und Ehrenamtliche bestätigen, dass wir hiermit auf wichtige gesellschaftliche Themen eingehen. Wir bedanken uns bei der Firma Sievert Druck, die unsere Arbeit durch den Druck des rund 200 Seiten starken Konzepts zu besonders günstigen Konditionen unterstützt haben.

Parallel wurde die Colored Glasses-Strategie 2027 entwickelt, mit der wir gezielt daran arbeiten, Colored Glasses als wirksames Vehikel zur Erreichung der YFUBildungsziele im gesellschaftlich relevanten Ausmaß zu entwickeln. Dafür stärken wir die Zusammenarbeit mit YFU und unsere Position im Verein. Zusätzlich stellen wir unsere internen Strukturen so auf, dass wir effizienter,wirkungsorientierter und motivierter agieren können. Deshalb konzentrieren wir unsere haupt- und ehrenamtlichen Ressourcen vorerst auf die vier Metropolregionen Hamburg, München, Mitteldeutschland und Rhein-Ruhr, um dort mit stabilen Netzwerken langfristig zu wachsen.

Nina (Hauptamtliche) und Emilia (CG-FSJ) mit den neuen CG T-Shirts

Auf Basis der im Vorjahr entwickelten Wirkungstreppe für Colored Glasses haben wir 2024 erste Schritte im Bereich der Wirkungsevaluation unternommen und sammeln nun standardisiert Feedback von Teilnehmenden an unseren Workshops. Mehr als 65% der über 200 Befragten gaben an, im Workshop etwas Neues gelernt zu haben, und rund 60% möchten sich zukünftig aktiv gegen Diskriminierung einsetzen. Das Thema Wirkung wird uns auch in den kommenden Jahren weiter begleiten.

Besonders freut uns, dass wir richtig viel Öffentlichkeitsarbeit verwirklichen konnten: Das Colored Glasses-Marketing-Team hat durch authentische Reels und gezielte Kooperationen mit dem YFU-Account unsere Reichweite auf Instagram deutlich erhöht. Fotografin Janine Hague unterstützte unsere Arbeit, indem sie pro bono professionelle Fotos von einem Colored Glasses-Workshop gemacht hat. Durch Interviews im YFU-Magazin und im YFU-Podcast haben wir außerdem viel Sichtbarkeit und Wertschätzung im Verein bekommen.

2025 widmen wir uns der Umsetzung der neuen Strategie, der Überarbeitung der Colored Glasses-Website und der persönlichen Vernetzung sowie dem Teambuilding im Ehrenamt. Wir bedanken uns bei allen Ehrenamtlichen, Spender*innen, Lehrkräften und sonstigen Unterstützer*innen für die tolle Zusammenarbeit!

Der Colored Glasses-Vorstand

Den vollständigen Jahresbericht findet ihr hier: