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Ein Ehrenamt, das wirkt: Nicoles Engagement

Erlebnisorientierte Schulworkshops

Nicole kommt ohne einen festen Plan zu Colored Glasses. Der Impuls kommt von außen: Eine Freundin, die mit YFU im Austausch war, lädt sie ein, mitzumachen. „Ich wäre selbst tatsächlich gar nicht drauf gekommen“, sagt sie. Zu diesem Zeitpunkt studiert Nicole Lehramt und setzt sich dabei mit eher klassischen Ansätzen von Bildung auseinander. Colored Glasses bedeutet für sie, sich auf etwas Neues einzulassen – offen und neugierig, aber ohne große Erwartungen. 

Schon die Schulung erlebt sie sehr positiv: „Es war richtig schön, nahbar und wirklich sehr interaktiv.“ Besonders prägend ist für sie die Vielfalt der Gruppe. Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen kommen zusammen und teilen dennoch eine gemeinsame Haltung, getragen von dem Wunsch, etwas zu bewegen. Dieses gemeinsame Anliegen schafft schnell Vertrauen und Verbindung. 

Gleichzeitig merkt Nicole, dass sie beginnt, eigene Bilder zu hinterfragen. „Ich hatte am Anfang die Befürchtung, dass ich jüngere Menschen vielleicht nicht so ernst nehmen würde“, sagt sie offen. Doch die Erfahrung widerlegt diese Annahme schnell: „Dann war diese Vorstellung weg, dass man von jüngeren Leuten nichts lernen kann.“ Was bleibt, ist vor allem ein Eindruck von Wertschätzung und gegenseitigem Lernen, völlig unabhängig von Alter oder Erfahrung. 

In den Workshops wird Wirkung für Nicole konkret. Sie erlebt mal stille Klassen, mal herausfordernde Dynamiken – aber vor allem intensive Lernmomente. In einem Rollenspiel zu Menschenrechten wird Veränderung greifbar: Schüler*innen erleben, wie es sich anfühlt, wenn ihnen plötzlich Möglichkeiten oder Besitz entzogen werden. „Das war so ein Klick-Moment“, beschreibt Nicole die Situation. Für sie wird klar: Hier geht es nicht um abstraktes Wissen, sondern um Erfahrung. Schüler*innen reflektieren ihr eigenes Verhalten, erkennen Ungerechtigkeit und empfinden sie nach. „Da passiert ganz, ganz viel in den Köpfen von den Kindern“, sagt Nicole. Genau darin liegt für sie die besondere Stärke der Workshops. 

Mit diesen Erfahrungen verändert sich auch Nicoles Blick auf Schule. Fachlichkeit bleibt wichtig, rückt aber in den Hintergrund. „Ich möchte Persönlichkeitsentwicklung stärker machen als reine Leistung“, sagt sie. Entscheidend ist für sie, wie gelernt wird. „Das Einzige, was wirklich wirkt ist, wenn man respektvoll und auf Augenhöhe miteinander umgeht.“ Lernen wird für sie zu einem Raum, in dem sich junge Menschen öffnen, ausprobieren und entwickeln können. 

Heute trägt Nicole diese Perspektive in ihr Umfeld und in ihr Selbstverständnis als zukünftige Lehrerin. Bei Colored Glasses engagiert sie sich weiterhin. Gerade angesichts gesellschaftlicher Unsicherheiten geben ihr die Workshops Hoffnung. Sie erlebt immer wieder, dass junge Menschen sensibel für Ungerechtigkeit sind – und bereit, sich damit auseinanderzusetzen. „Man sieht, dass die Hoffnung nicht verloren ist“, sagt sie. 

Ihr Wunsch für die Zukunft von Colored Glasses ist klar: weitermachen. Räume schaffen, in denen Perspektivwechsel möglich werden und junge Menschen sich selbst und andere besser verstehen können.