Interkulturelle Bildung ist wichtiger denn je!
Am Samstag, 25. Januar 2026 kamen Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Kontexten und Erfahrungen beim Internationalen Colored Glasses Community Call „Talk in Colors“ zusammen. Es war der zweite Call in diesem Format, der von Colored Glasses (CG) Ehrenamtlichen aus Paraguay und Deutschland gemeinsam organisiert wurde, um CG-Aktiven und -Interessierten aus dem globalen YFU-Netzwerk einen Raum zum gegenseitigen Kennenlernen, Austausch und zur Weiterbildung zu geben. Das Orga-Team freute sich sehr, 25 Teilnehmende aus 8 Ländern zu begrüßen. Argentinien, Paraguay, Deutschland, USA, Dänemark, Mexiko, Frankreich und China waren vertreten.
Im Mittelpunkt des Calls stand diesmal ein Impuls von Philosophieprofessor Henry Escobar aus Kolumbien. In seiner Präsentation sprach er über die Bedeutung von Dialog, Imagination und Anerkennung und darüber, warum interkulturelle Bildung gerade im Zusammenhang mit Menschenrechten eine zentrale Rolle spielt.

Dialogue, Imagination & Recognition
Zu Beginn stellte er die These auf, dass politischer Diskurs stark von Bildern geprägt ist. Diese Bilder sind häufig gewaltvoll. Wenn wir jedoch verstehen, welche Bilder unseren Diskurs bestimmen und woher sie kommen, können wir lernen, diese Gewalt zu navigieren und bewusster mit ihr umzugehen.
Ein zentraler Punkt ist die Imagination. Sie hilft uns, Realität anders zu sehen. Politik und Menschenrechte nehmen wir vor allem über Bilder wahr. Häufig führen diese dazu, dass wir andere Menschen schnell als Feinde sehen. Deshalb ist es wichtig, diese Bilder zu verstehen und Gewalt bewusst abzulehnen. Auch Ideologien sind Bilder davon, wie eine Gesellschaft aussehen könnte. Bei interkulturellen Unterschieden treffen solche Bilder aufeinander und stehen sich manchmal entgegen. Trotzdem haben wir am Ende dasselbe Ziel: ein gutes Leben für alle. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es mehr Empathie, Altruismus und Kommunikation. So kann interkultureller Dialog gestärkt werden.
In der anschließenden Diskussion wurde ergänzt, dass es nicht nur um Bilder geht, da nicht alle Menschen Inhalte über Bilder gleichermaßen verstehen. Hier knüpft die Narrative Theory an: Die Geschichten, die wir uns selbst und anderen erzählen, formen unsere Realität. Narrative bestimmen, wie wir andere Menschen wahrnehmen und wie Konflikte entstehen. Offenheit gegenüber diesen Narrativen und ihrem Ursprung ist daher entscheidend.
In diesem Zusammenhang wurde deutlich, warum die Erzählweise von Colored Glasses so wirkungsvoll ist. Narrative Theory kann gezielt in Workshops eingesetzt werden, um durch Bildung Perspektiven zu erweitern und Wahrnehmungen zu hinterfragen.
Abschließend sprach Escobar über die Frage, wie sich diese Ansätze praktisch vermitteln lassen. Besonders wichtig sind dabei einfache, zugängliche Bilder, z.B. Fabeln. Sie stellen Situationen dar, die von allen verstanden werden können, auch von Kindern. Durch sie lernen Menschen, Situationen bewusst wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen. Fabeln verändern Narrative und Wahrnehmungen und öffnen so neue Perspektiven.

Der Community Call hat deutlich gemacht, wie wichtig Austausch, Offenheit und gegenseitiges Verständnis in einer vielfältigen Welt sind. “Diese Calls erscheinen mir wichtig, weil sie Gemeinschaft schaffen und weil ein Netzwerk von Freiwilligen ständig wachsen sollte,” sagt Sandra (Program Coordinator YFU Paraguay), “Ich fand die Idee sehr gut, einen besonderen Gast einzuladen, der akademisches Wissen und Reflexion zur Interkulturalität einbringt, um weiterhin eine internationale Community von Lentes de Colores zu stärken.”









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